Die ganze Welt in drei Wochen

oder: Was man auf einer Südafrikareise alles falsch machen soll

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Kaphalbinsel

Wenn man eine größere Reise vorhat, plant man schon Monate, vielleicht sogar Jahre im Voraus. Da gilt es sich nach der besten Reisezeit, der günstigsten Route, nach Unterkünften, etc zu erkundigen. Es ist aber auch alles intuitiver und unkonventioneller möglich, es kommt auf das Reiseziel an. Ist das Reiseziel Südafrika, ist letzteres durchaus nicht von Nachteil. Selbst im südafrikanischen Winter (Juni - September) dorthin zu reisen, entgegen aller Reiseführer von Westen nach Osten zu fahren ohne auch nur eine Unterkunft vor der Reise zu bestellen ist vertretbar. Das einzige was nötig ist um trotz allem einen sehr erlebnisreichen (im positivsten Sinne) und erholsamen Urlaub zu haben, sind gute Englischkenntnisse und einen Mietwagen (am Besten schon in Deutschland buchen) und ein paar gute Reiseführer (möglichst mit Karten).
Mit diesen Vorbereitungen machten wir uns zu dritt (Anke, Paul, und ich) auf nach Südafrika. Wir flogen von Berlin nach Amsterdam und von dort mit einem Zwischenstopp in Johannesburg, wo über 80 Prozent der Fluggäste ausstiegen, in einem ziemlich leeren Jumbo nach Kapstadt. Somit konnten wir uns auf die begehrten Fensterplätze verteilen und den Landeanflug auf Kapstadt mit bester Sicht genießen.
Der Flughafen Kapstadt wirkte provinziell. Wir wurden mit Bussen vom Flugzeug abgeholt und die Abfertigung hatte etwas familiäres. Nachdem wir die Passkontrolle nach 10 Minuten hinter uns hatten - wir standen mal wieder in der langsamsten Schlange - drehte unser Gepäck schon die eine oder andere Runde auf dem Gepäckband und als wir in den Mietwagen stiegen, waren seit der Landung keine 20 Minuten vergangen. So schnell waren wir noch nie aus einem Flugplatz raus.
Der erste Weg führte uns zur Touristinformation in der Adderley-Street. Dort gab es in der Nebensaison (Es ist gerade Winter!) kein Problem preiswerte Unterkünfte in bzw. um Kapstadt zu finden. Wir wurden sehr freundlich und ausdauernd bedient und es wurde - wie sich später noch zeigen wird - auch auf unsere Nationalität eingegangen.
Das Hauptwahrzeichen Kapstadts ist sicherlich der Tafelberg. Dort angekommen, stellten wir fest, dass die Seilbahn gerade repariert wurde. Also hieß es zu Fuß auf den Berg. Nach halbem Weg fanden wir genug Ausreden, die es jedem späteren Zuhörer eindrucksvoll verständlich machen würden, warum wir nicht ganz auf den Berg gestiegen sind. Einerseits hatten wir einen anstrengenden Flug hinter uns, andererseits nichts im Magen. Außerdem sahen wir eine Straße, auf der wir bequem mit dem Auto zum gegenüberliegenden Signal Hill kamen. Vom Ausblickspunkt am Signal Hill bot sich ein unvergesslicher Blick über eine Stadt, die neben San Francisco und Rio de Janeiro zu den drei schönsten der Welt gezählt wird. Im Winter herrscht hier ein Klima, das bestimmt ist von Wolken und Regen. Wir hatten Glück und bei herrlichem Sonnenschein nahm der Tafelberg seine Wolkenmütze ab.
Danach machten wir einen Abstecher zur Waterfront. In dem dort befindlichem Two-Ocean-Aquarium wurde in wunderschönen und großen Aquarien sehr eindrucksvoll gezeigt, was alles im Ozean so herumschwimmt. Wir beobachteten eine von Tauchern vorgenommene Haifischfütterung. Interessant dabei war es zu sehen, wie eine recht freche aber auch wohl genauso mutige Wasserschildkröte dem Hai hin und wieder einen Happen wegschnappte. Genauso imposant war der sehr anschaulich gestaltete "The Way of the Water" (Der Weg des Wassers) vom Gebirge, durch Flüsse und Seen ins Meer mit fast all seinen typischen Bewohnern, von Fischen, Reptilien, Seevögeln bis hin zu Pinguinen, und das alles in einem Raum!
Mittlerweile stellten sich erste Erschöpfungserscheinungen ein und wir beschlossen einstimmig uns auf den Weg zu unserem Quartier zu machen. "House Hamburg" war der Name der Unterkunft; das versprach interessante Überraschungen. Wir fuhren durch Nobel-Vororte von Kapstadt, nach Muizenburg.
Muizenburg liegt an der False-Bay, an der sich viele malerische Orte befinden, die ineinander übergehen. Das merkten wir aber erst als wir schon in St.James waren. Also wendeten wir und fuhren zurück. Die Pension fanden wir schnell, und wir bekamen gleich einen Tipp für ein sehr gutes Abendbrot ("Bull Dogs"). Dort wurde uns von der Kellnerin auch gleich ein Bier empfohlen, dass Deutsche trinken (Es ist immer wieder beeindruckend zu bemerken, wie verwöhnt wir Deutschen im Biergeschmack sind). Die Marke hieß "Windhoek" und wurde von der Holsten-Brauerei in Namibia gebraut. Sie sollte uns die ganze Reise über begleiten...
Die Unterkunft gehörte einem Hamburger, der sich in Muizenburg mit einer kleinen B&B Pension niedergelassen hat. Wir verbrachten den ganzen Abend beim Würfelspiel zusammen mit Katharina, einer jobbenden Studentin aus Bratislava/Slowakei, Joan und Willi, einem befreundeten Ehepaar aus dem Nachbarort, Joachim aus Hamburg und Rebecca, die Frau des Hauses, die aus Sydney stammte. Die Gesprächsthemen erstreckten sich von den deutschen Ost-West-Problemen (Joachim kannte sich auch gut in Rostock aus), über den zunehmenden Nationalismus in der Slowakei bis hin zu der Frage, ob Kricket zu den ernstzunehmenden Sportarten gezählt werden kann.
Ein Spaziergang am Strand von Muizenburg mit seinen bunten Umkleidekabinen war auch im Winter sehr reizvoll. Bei Tagestemperaturen zwischen 15 und 20°C halten selbst die Surfer keinen Winterschlaf und das Reisen in einem Auto ohne Klimaanlage (ca. 12 DM billiger pro Tag) ist auch auf längeren Etappen angenehm.
Auf dem Weg zum Cape of Good Hope Nature Reservat machten wir ein Abstecher zum Strand von Simons Town. Dort lebt eine Kolonie Brillen-Pinguine, die einfach lustig anzuschauen ist. Diese putzigen Gesellen liefen dort am Strand lang und standen teilweise auch sehr dekorativ in den Vorgärten herum.
Der Besuch von Cape Point und dem Kap der Guten Hoffnung ist einfach ein touristisches Muss jeder Südafrika-Reise, aber ein Fußmarsch zwischen diesen beiden Punkten entlang der beeindruckenden Küste vermittelt erst den wahren Naturgenuss. Wir wanderten auf ca. hundert Meter hohen Klippen entlang, und auf der Hälfte des Marsches stiegen wir diese herunter zum Strand. Wer konditionell gut drauf ist, sollte dies auch unbedingt tun. Als wir sahen auf was wir uns mit dem leichtfertigen "Herabgespringe" eingelassen hatten, entschieden wir uns für eine etwas längere Pause. Aber eine Rast am Strand des Atlantiks mobilisierte neue Kräfte, die wir für den Wiederaufstieg auch brauchten. Entschädigt für diese Strapazen wurden wir mit einer einmaligen Aussicht und mit Begegnungen mit vielen kleinen possierlichen Tieren, den Klippschliefern. Diese sind so groß wie Hasen, leben in Familienverbänden, wohnen an den Steilhängen und sind nicht besonders scheu. Für ein Foto kamen sie schon mal bis auf einen Meter heran, sei es nun Eitelkeit oder Neugier.
Während der gesamten Wanderung achteten wir immer auf die dort lebenden Paviane. Diese recht groß werdenden Tiere können ohne weiteres Rucksäcke und Taschen öffnen auf der Suche nach Essbaren, wie wir beim obligatorischen Foto vor dem "Cape of Good Hope"- Schild am eigenen Leibe erfuhren. Paul wollte gerade seinen selbst auslösenden Fotoapparat postieren und sich auf einen Sprint zurück vorbereiten, als eine nette Touristin sich anbot uns zu fotografieren. Als wir nun so in Positur saßen und auf das Vögelchen warteten, schrie Sie auf einmal: "A big baboon!" Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht was baboon auf deutsch heißt, aber seitdem wird sich jeder von uns dieses Wort für immer eingeprägt haben. Ein riesiger Pavian saß neben uns und rannte dann auf Pauls Rucksack zu, der noch bei der fotografierenden Frau stand. "I've photographed the baboon" rief selbige. Na ja, nicht das was wir wollten, aber ein Pavian ist ja auch ein schönes Motiv, besonders als er mit großer Geschicklichkeit sämtliche Reißverschlüsse und Taschen des Rucksacks aufriss auf der Suche nach Essbaren. Aber allzu lustig fanden wir es dann doch nicht, da diese Tiere nicht ungefährlich sind und wir nicht wussten, wie wir ihn wieder loswerden. Glücklicherweise wurden in der Nähe gerade Straßenbauarbeiten durchgeführt und einige Arbeiter kamen mit Stöcken drohend angerannt, was den Affen in die Flucht trieb.
Es wird zwar überall darauf hingewiesen, dass die Paviane nicht zu füttern sind, aber wenn japanische Reisegruppen noch Opfer für ihr Zelluloid oder Videoband suchen, muss schon mal eine Tüte Kartoffelchips als Lockmittel herhalten. Man hat ja auch nach dem Urlaub mehr zu erzählen, wenn ein Affe auf der Motorhaube saß...
Auf dem Weg zurück nach Kapstadt wählten wir die Atlantikroute. Dabei ging es über den Chapmans-Drive. Neben unvergesslichen Aussichten kletterte auch unser Adrenalinspiegel bei der Fahrt über dieses Meisterstück südafrikanischer Straßenbaukunst. Wieder angekommen in Kapstadt, fuhren wir abermals entlang der Waterfront, durch die Stadt vorbei an ihrer unvergesslichen Skyline mit dem Tafelberg im Hintergrund, der von der untergehenden Sonne angestrahlt wurde.

Weinregion

Sicherlich hätten wir noch viele Tage in Kapstadt verbringen können, aber Rest des Landes hat auch noch jede Menge zu bieten. Demzufolge führte unsere Tour von Kapstadt in Richtung Westen durch das Weinanbaugebiet Südafrikas. In Somerset West fanden wir Helderbos, eine Bed & Breakfast Unterkunft, die sich äußerlich erst einmal von vielen anderen Anwesen im weißen Südafrika unterschied: sie hatte keine allumschließende Mauer bzw. Zaun oder das übliche Hinweisschild auf die Alarmanlage. Der Grund ist denkbar einfach: Die Besitzerin Nonnie ist eine Hundezüchterin und über 30 Bullterrier und 5 Rottweiler waren Abschreckung genug. Der Empfang war überaus herzlich und die Gastfreundschaft ernst gemeint, wie bei eigentlich allen B&B´s in Südafrika. Die Leute sind äußerst freundlich, locker und interessiert. Auch wenn man vor der Reise meint, dass alles wichtige im Reiseführer steht, kommen die besten Insider-Tipps halt von den Insidern, den Südafrikanern. Somit ist eine grobe Routenplanung zwar nötig, die genauen Fahrziele haben wir dann erst in Südafrika festgelegt. Von Nonnie erfuhren wir, dass ihr Großvater Mulis züchtete und mit ihnen zirkusähnliche Auftritte hatte, sogar in Amerika. Wir saßen bis spät abends zusammen bei Bier und Wein und erfuhren viele interessante Sachen vom Leben in Südafrika in Vergangenheit und Gegenwart. Nonnie selbst war auch sehr an Deutschland und an unserer Sicht auf die Wende '89 interessiert. Deutschland und Südafrika hatten ja in der Zeit politische Parallelen, es erfolgte in beiden Ländern eine geschichtliche Zäsur.
Zum Abschied sagte sie: "Wenn ihr auf Eurer weiteren Reise irgendwann in Schwierigkeiten steckt, sei es durch Pech oder Gewalt, ruft bei mir an. Ich habe meine Hunde in ganz Südafrika verkauft und kenne dementsprechend in jedem Landesteil Leute die Euch aus jeder Patsche helfen werden." Es war ein sehr beruhigendes Gefühl, mit so einem Hinweis bedacht worden zu sein.
Absolut sehenswert waren Stellenbosch und die nahen Weinberge. Malerisch gelegen und herrlich angelegt war das Weingut Vergelegen in der Nähe von Somerset West. Im Garten des Gutes standen riesige chinesische Kampferbäume, ein herrlicher Rosen- und Kräutergarten umrandeten das Gutshaus in dem wir eine Weinprobe machten. Die südafrikanischen Weine zählen zu den besten der Welt und ausgerüstet mit einer 12er Box im Kofferraum wurde unser Urlaub genussvoller.
Weiter ging es nach Hermanus, einer kleinen Stadt an der Küste. Dort kann man mit etwas Glück vom Lande aus Wale beobachten. Aber auch wenn man kein Glück hat, so wie wir, ist der Abstecher empfehlenswert. Wir waren dafür Zeugen einer recht unfreiwilligen Taufe zweier Mädels, die sich, sehr mutig, weit ans Wasser heranwagten, dann aber doch nicht vor einer ca. 5 Meter hoch aufspritzenden Brandungswelle weglaufen konnten.
In Hermanus hat sich die Upper-Class niedergelassen. Dies kann man an den sehr schönen Häusern und Gärten in dieser Lagunenstadt erkennen. Vom Rotary Drive aus schauten wir noch einmal von oben auf Hermanus und hielten weiterhin nach den Meeressäugern Ausschau, leider wieder ohne Glück. Dann führte die Straße quer durch Hamilton Russells Vinyard, ein Weingut inmitten eines Tals, daß den Namen "Hemel een Aarde" (Himmel und Erde) trägt. Via Caledon erreichten wir eine der ältesten Städte Südafrikas: Swellendam.
In Swellendam übernachteten wir bei Roosje van de Kaap. Die B&B-Pension betreibt der Sohn von Nonnie, ein Anwalt, und seine Frau, Schauspielerin. Wir wurden wie Familienmitglieder empfangen, immerhin kannten wir anhand vieler Fotos in Nonnies Haus Nicks Leben schon recht gut. Außerdem hatten wir noch Süßigkeiten von der Großmutter für die Enkelkinder im Gepäck. Nick gab uns noch einen kleinen Ausflugstip: ein Naturpark in der Nähe. Aber auf dem Weg zu einem Wasserfall, den wir schon im Laufschritt zurücklegten, holte uns dann doch die Dunkelheit ein, aber wir sollten ja noch genug Wasserfälle auf unserer Reise sehen.
Die gute italienische Küche von Roosje van de Kaap ist ein Geheimtipp und wir aßen bei Kerzenschein, auch zum Frühstück. Dort sahen wir auch zum ersten Mal, dass sich Gäste ihre eigenen Getränke mit ins Restaurant brachten, was durchaus üblich ist in Südafrika.

Strauße & Gartenroute

Am nächsten Tag wollten wir auf der berühmten Gartenroute fahren, die entlang der Küste von George über Knysna und Plettenbergs Bay nach Port Elizabeth führt. Wir entschieden uns aber noch für einen Abstecher ins Landesinnere nach Outshoorn.
Von Swellendam ging die Fahrt über den Tradouw-Paß. Spätestens auf dieser Strecke wurde uns bewusst, dass das Federvieh in Südafrika etwas größer als gewöhnlich ist. Die Gegend um Outshoorn ist das Straußenzucht-Zentrum schlechthin. Riesige Straußenfarmen erstrecken sich links und rechts der Straße und Tausende dieser größten Vögel der Welt tummeln sich auf ihnen. Bei einem Besuch einer dieser Farmen erfuhren wir viel Interessantes über Strauße und Straußenzucht und am Schluss bekamen wir noch ein Straußenrennen zu sehen. "Whiskey" gewann und "NoChance" machte seinem Namen alle Ehre.
Die Gartenroute empfiehlt sich sicher nicht nur im Sommer durch ihre Pracht auch im Winter ist die Strecke eindrucksvoll. Knysna, das Zentrum der Austernzucht, ist an einer Lagune gelegen und vermittelt den Eindruck einer typischen Touristenstadt mit vielen kleinen Läden, Straßencafés und Restaurants. Tambotie ist eines, das südafrikanische Küche in afrikanischem Ambiente anbietet. Unser erstes Straußensteak war ein Genuß. Neben zahllosen B&B´s fanden wir das Gallery Guest House, das am Berg nahe eines Naturparks gelegen war. Die Besitzerin war Künstlerin und das sahen wir der Inneneinrichtung auch an. Moderne afrikanische Gemälde und Skulpturen standen überall im Haus und auf der Veranda hatten wir einen herrlichen Blick hinaus auf die Lagune. Nur Kinder unter 12 Jahren waren hier nicht gern gesehen. Wahrscheinlich haben diese einen anderen Bezug zu den aufgestellten und -gehängten künstlerischen Arbeiten.

Addo-Park

Den Der Addo National Elephant Park befand sich etwa 50 km nördlich von Port Elizabeth und war gerade zur Winterszeit einen Besuch wert. Wir übernachteten dort in einem Chalet. Darin fanden wir alles, was Selbstversorger so brauchen: Betten, ein Bad, eine Küchenecke mit allem was dazugehört von Besteck, Geschirr über Kühlschrank, Spüle, Mikrowelle bis zu ansprechenden Weingläsern. Paul bereite uns kurz nach unserer Ankunft Würstchen, die wir im Freien auf der Terrasse verzehrten. In dem parkeigenen Restaurant gab es außerdem alle Tagesmahlzeiten. Zum Abendbrot servierte uns eine sehr ausladende (Xhosa-Frauen haben meist ein etwas breiteres Becken) Serviererin billige aber leckere Grillsachen. Nur Schade, dass das Kudu-Steak nicht mehr im Angebot war.
Tierbeobachtungen waren gerade in den Wintermonaten empfehlenswert. Da war Trockenzeit und viele Tiere fanden sich an den wenigen Wasserlöchern ein. Außerdem bot die magere Vegetation den Tieren wenig Schutz vor Teleobjektiven. Obwohl in vielen Fällen auch die einfacheren Knipsbüchsen ausreichend sind. Es bereitete uns schon mulmige Gefühle in der Magengegend, als wenige Meter vor dem Auto ein paar Elefanten über die Straße gingen und wir beim Versuch rückwärts zu fahren feststellten, dass auch hinter unserem Auto einige Tonnen Tier standen und auch links im Gebüsch. Aber keine Angst, die Tiere in den Nationalparks haben sich an die motorisierten Gäste gewöhnt und scheren sich nicht weiter um diese, meistens jedenfalls. Abends an einer Wasserstelle kam eine Herde von 40-50 Tiere vorbei und ein Elefant machte sich daran, ein Auto vor sich her zutreiben. Im Gegensatz zu den Insassen schien es dem Tier Spaß zu machen.

East London

East London liegt mitten zwischen zwei ehemaligen Homelands und wird erst so nach und nach von Touristen entdeckt. Zu Apartheidzeiten flogen sie meistens von Durban nach Port Elizabeth, über East London hinweg. Rings um East London merkten wir schon an den Ortsnamen, wie Hamburg, Potsdam, Berlin, dass diese Gegend von deutschen Siedlern bevölkert wurde. Davon zeugt auch das German Settlers Monument, ein Denkmal in der Nähe von O´Hagan´s, einem Irish Pub, der auf Stelzen über die Brandung gebaut ist. Es war schon beeindruckend bei einem Guinness-Bier zu sitzen und auf die gewaltigen, von Scheinwerfern angestrahlten Wellen des Indischen Ozeans zu schauen.
Hier trafen wir Axel, der mit mir gemeinsam zur "Penne" ging. Axel arbeitete innerhalb eines Auslandspraktikums bei Mercedes Benz mit an der "Anpassung" des Trucks "Actros" an die südafrikanischen Gegebenheiten. Er wohnte bei Trevor, einem englischen Auswanderer, der einen grauenhaften Akzent hatte. Eigentlich war sein Akzent ja nicht schlimm, aber wir waren verwöhnt von den Südafrikanern. Durch ihr Afrikaans, das dem Holländischen sehr ähnelte, kam ihr Englisch den deutschen Hörgewohnheiten sehr entgegen. Trevor war von Beruf Landschaftsarchitekt und das sah man seinem Anwesen auch an.
Aber unsere Unterkunft war auch wie schon so oft vom Feinsten. Die Hausherrin hieß Mary und war eine Irin. Als sie Paul sah und seinen Namen hörte, rief sie: "You're the reincarnation of my husband!" (Du bist die Reinkarnation meines Mannes). Ihr auf See gebliebener Mann hieß Paul und hatte wohl genauso rote Haare wie unser Paul. Sie zeigte uns auch noch Bilder von ihrer Tochter, die ebenfalls rothaarig war und in Kapstadt bei einer Werbeagentur arbeitete.
Am ersten Abend besuchten wir eine Weinmesse. Auf dem Weg dorthin holten wir noch ein paar Bekannte von Axel ab. Dabei konnten wir auch gleich sehen, wie südafrikanische Studenten so wohnten. Sie hatten ein Haus, mit ausreichend Zimmer, Pool, diversen Hunden und natürlich einer Haushälterin.
Auf der Weinmesse dann konnten wir uns für einen relativ geringen Eintrittspreis zu Gunsten einer Krebsstiftung, quer durch Südafrika trinken, was wir dann auch ausgiebig taten. Am nächsten Tag wurde uns dann auch die Qualität der dort angebotenen Weine und Sekte bewusst: kein Kopfweh. Außerdem konnten wir auch beim späteren Preisvergleich in diversen Liqueur-Stores sehen, dass diese Weinsorten nicht gerade die billigsten waren.
Von East London aus unternahmen wir eine Tagestour zum Art-Festival nach Grahamstown. Dies ist eine Stadt wie man sie eher in England denn in Südafrika erwartet. Eine herrliche Innenstadt, im viktorianischen Baustil mit toller Kirche und einem Trödelmarkt, auf dem es jede Menge interessante und uninteressante Dinge zu sehen und zu kaufen gab. Waren wir zu Anfang noch ein wenig zurückhaltend bei der Souvenirschau, merkten wir doch sehr bald, dass die Händler nicht im Geringsten aufdringlich und nervend waren, wie wir das aus anderen Urlaubsländern kannten. Dies war übrigens in ganz Südafrika so.
Die Küste in der Gegend um East London lud zu einer ausgiebigen Wanderung ein. Neben Fußmarsch auf normalen Sandstränden, überkletterten wir auch kleine Felsvorsprünge und krochen durch vom Wasser in den Fels geformte Höhlen. Da gerade Ebbe war, konnten wir zwischen den im Wasser liegenden Steinen jede Menge Meerestiere von Seestern über Seeigel bis hin zu kleinen Fischen sehen.
In East London konnten wir auch einer der Lieblingssportarten der Südafrikaner nachgehen: dem Golfspiel. Es gab in Beacon Bay eine Driving Range, einen Golf-Abschlaghügel, wo wir unseren ersten Schlag üben konnten. Die abgeschlagenen Bälle wurden von Bauarbeiterhelmtragenden schwarzen Kindern wieder eingesammelt. In der Nähe befand sich auch Anfänger-9-Loch-Platz, wo uns keiner böse war, wenn wir nach dem 8. Versuch den Ball immer noch nicht aufs Grün platziert hatten.
Ein trauriges Kapitel in der Geschichte Südafrikas holte uns auf der Fahrt durch die ehemaligen Homelands Ciskei und Transkei ein: die Apartheid. Nachdem wir uns auf der bisherigen Reise nicht gerade wie in Afrika gefühlt hatten, sondern eher wie in Südeuropa, wurden wir jetzt von der dritten Welt eingeholt. Kilometerweit ärmliche Dörfer mit verstreut herumstehendem Vieh, die Kinder und auch viele Erwachsene lungerten an den Straßen rum, Fahrzeugwracks überall. Uns begegneten jede Menge laufende T's: Frauen, die Holz gesammelt hatten und dies kilometerweit auf dem Kopf nach Hause trugen. In Umtata, der Hauptstadt der Transkei, sahen wir die erste schwarze Universität. Die Apartheid war in Südafrika noch nicht besiegt. Wenn ein Weißer sich um einen Job bewarb, wurden erst 8 Schwarze vor ihm geprüft. Ein Weißer zahlte Studiengebühren von ca. 15.000 Rand (6000 DM) im Jahr, je nach Uni, ein Schwarzer studierte kostenlos. Es standen halbe Krankenhäuser leer, da immer mehr weiße Ärzte auswanderten, meist nach Kanada und Europa, so erfuhren wir von unseren weißen Bekanntschaften. Trotz dieser und noch mehr Probleme (55% Arbeitslosigkeit) verehrten die Südafrikaner ihren Präsidenten Nelson Mandela, egal ob schwarz oder weiß. Dieser Mann erfüllte so gar kein Klischee, das Politikern anhaftet. Seinen 79. Geburtstag feierte er nicht mit einem Staatsempfang für Politiker und Diplomaten, sondern mit etlichen Kindern in Kapstadt im Rahmen eines großen Kinderfestes...
Die Küste um Durban wird von zahlreichen Badeorten gesäumt. In Shelly Beach in der Nähe von Port Shepston fanden wir eine sehr gute Unterkunft für Selbstversorger. Für umgerechnet 60 DM hatten wir einen sehr großen Bungalow mit 2 separaten Zimmern, großer Wohnküche und Bad. Das war auch einer der wenigen Abende auf unserer Reise, wo wir uns selbst was zum Abendessen brutzelten.

Durban

Durban selbst war eine Mischung aus Miami und Neu Dehli. Die Innenstadt war in englisch-viktorianischen Stil gebaut, mit jeder Menge Straßenmärkte, wobei uns besonders der Besuch des Viktoria-Street-Market beeindruckte. Dort fanden wir neben Hunderten von Curry-Sorten, auch jede Menge Andenken für zu Hause. Die Golden Mile am Strand bot Vergnügen pur. Zwischen jeder Menge Karussells, Achterbahnen, Wasserrutschen und Seaworld mit einem Delphinarium und einem Haifischbecken kam keine Langeweile auf. Im Wasser tummelten sich jede Menge Surfer und auf meterlangen ins Meer herein reichenden Seebrücken standen etliche Petrijünger. Dass in Durban keine Langeweile aufkommt, wird auch jeder bezeugen, der je dort mit dem Auto durch die Stadt gefahren ist. Nachdem wir nun tagelang auf eher leeren Landstraßen und einsamen Gebirgspässen gereist waren, war der Unterschied zu meist 6-spurigen Einbahnstraßen, die voll sind mit Autos, Menschen und Lieferwagen, schon gewaltig. Eine besondere Herausforderung waren die für europäische Verhältnisse nicht nachvollziehbaren Halte- und Spurwechselmanöver der als Taxis fungierenden Kleinbusse. Obwohl es zwar einen sehr chaotischen Anschein hatte, fühlten wir uns in diesem Straßenverkehr doch wohler als auf den von Aggressionen überhäuften deutschen Straßen. Denn, obwohl auf eventuell bestehende Verkehrsregeln nicht sonderlich geachtet wird, fährt man doch miteinander und nicht gegeneinander.
Da es uns am Strand von Durban zu voll zum Baden war, fuhren wir nach Umhlalanga Rocks, ein paar Kilometer nördlich. Nach einem kleinen Marsch durch ein Naturschutzgebiet fanden wir einen fast menschenleeren Strand mit einem tollen Blick auf die Skyline Durbans (Wassertemperatur im Juli um die 20°C).
Unsere dortige Unterkunft Loriebos, eine kleine B&B Pension im Vorort Westville war empfehlenswert. Sie lag fast mitten im Dschungel und morgens wurden wir vom Geschrei der Loris geweckt. Beim Frühstück draußen auf der Terrasse schauten wir den Hunden zu, die erfolglos versuchten, die übers Dach jagenden Meerkatzen zu fangen. Der Mann der Gastgeberin ging als Kind auf eine deutsche Schule und sprach recht gut deutsch. Von beiden erhielten wir wertvolle Tipps zur Reisegestaltung in und um Durban. Außerdem erfuhren wir, dass wenn die beiden ihre Kinder an der Uni Stellenbosch besuchen, sich immer bei Roosje van der Kaap in Swellendam einquartieren und somit Nick und seine Frau auch gut kannten. Tja, Südafrika ist halt auch nur ein Dorf...
Da wir in der Stadt der tausend Currysorten waren, wollten wir natürlich auch ein Curry probieren. Wir taten dies in einem kleinen Lokal in Westville. Dabei kamen wir zu der Schlußfolgerung, daß Inder oder die von Indern abstammenden Südafrikaner wohl Hornhaut auf ihren Geschmacksnerven haben müssen. Wir konnten jedenfalls erst Tage später wieder etwas geschmackvoll finden...