Jede Menge Deutsches in drei Wochen Afrika

oder: Was wir in Namibia falsch und richtig machten

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London

Die Idee nach Namibia zu fahren kam uns bei einem früheren Südafrikaurlaub, als wir eines Abends bei einem Windhoek-Bier zusammen saßen und einer von uns den Wunsch aussprach, doch mal in Windhoek ein Windhoek zu trinken. Daraufhin beschäftigten wir uns erstmalig etwas mehr mit diesem Land. Ein paar Jahre später im Februar 2000 flogen wir (Anke & ich) dann abermals nach Südafrika, um von dort nach Namibia zu reisen.
Wir flogen mit der British Airways. Der einzige Zwischenstopp war London. Da wir noch nie in London waren, nutzten wir die Gelegenheit für einen Stadtrundgang. Wir hatten uns etwa 10 Stunden eingeräumt zwischen Ankunft und Weiterflug. Das reichte auch sehr gut. Direkt vom Flughafen Heathrow aus konnten wir mit der U-Bahn (Underground) ins Stadtzentrum fahren. Unterwegs stieg eine Bettlerin zu und versuchte durch Mitleidserregendes Aussehen ihrer selbst und ihres Kindes ein paar Pennys zu erbetteln. Nachdem sie am nächsten Stopp erfolglos den Wagen wechselte, ertönte eine Durchsage des Fahrers. Er wies daraufhin, dass man der Bettlerin kein Geld geben sollte, da sie einer Bettlerclique angehöre, die systematisch die Fahrgäste anbetteln. Ein Fahrgast meinte dazu noch lapidar, sie sei heute etwas früh dran: "She's a little bit early today". Typisch britisch.
Am Green Park in der Nähe vom Buckingham Palace stiegen wir aus. Durch den Park gingen wir zum Palast, wo schon etliche Touristen auf die Wachablösung warteten. Wir sahen noch die Garde mit ihren Kaffeewärmern auf dem Kopf aufmarschieren, dann marschierten wir ab. Wir wollten noch viel sehen und nicht noch eine Stunde warten, bis das Spektakel startete. Entlang dem Birdwalk zur Westminster Abbey staunte Anke nicht schlecht über die Blütenpracht mitten im Februar. London hat anscheinend ein milderes Klima als Norddeutschland. Als wir dann am Trafalgar Square ankamen, hatten wir schon jede Menge beeindruckende Bauwerke gesehen, wie Houses of Parliament mit dem Big Ben. Am Piccadilly Circus spendeten wir für Kindergärten und erhielten dafür kleine Papierblümchen. Vorbei an der südafrikanischen Botschaft machten wir uns auf dem Weg zur St. Paul's Cathedral. Dort angekommen mussten wir erstmal eine Snack-Pause einlegen. Außerdem machten sich auch unsere Füße arg bemerkbar. Aber wir rafften uns noch mal auf und schafften es bis zum Tower und zur Tower Bridge. Dann ließen wir uns wieder von der Underground transportieren, immerhin hatten wir ja Tagestickets. In einem Café im Hyde Park verloren wir dann unsere letzten Pfunde, leider nur die fiskalischen. Anke war total begeistert von den extra Pferdewegen im Park. Das hatten wir nicht vermutet, dass inmitten einer Großstadt wie London Möglichkeiten zum Ausreiten ab. Zum Flughafen zurück nahmen wir dann wieder die U-Bahn und mit etwas Verspätung starteten wir in Richtung Kapstadt.

Kapstadt und Umgebung

Wir landeten pünktlich in Kapstadt und stiegen bei 25°C die Gangway herab. Die ersten Urlaubsgefühle kamen auf. Dann holten wir unseren Mietwagen und das Telefon. Wir hatten beim Auto die Wahl zwischen Lantra, Polo und Nissan. Wir entschieden uns für den Nissan, da wir aus unserem letzen Urlaub noch gute Erfahrungen damit hatten. Als ich mich aber beim losfahren anschnallen wollte, hatte ich den losen Gurt in der Hand und wir wechselten auf den Polo, der gleich daneben stand. Da wir mittlerweile schon zum wiederholten Male mit Linksverkehr konfrontiert wurden, ging es dann ohne Anpassungsschwierigkeiten los. Zuerst fuhren wir ins Stadtzentrum zum Parkhaus an der V&A-Waterfront. Dort wechselten wir unsere Sachen. Dann stürzten wir uns in den Kapstädter Wochenendtrubel mit viel Straßenmusik und Tanzdarbietungen. Wir kauften eine Namibia Straßenkarte und bummelten durch das sehr gelungene Hafenviertel.
Als die ersten Hungergefühle aufkamen, verließen wir Kapstadt nach Süden und fuhren nach Hout Bay zum "Fish on the Rocks", eines der bekanntesten Fish & Chips Läden Südafrikas. Wir füllten unsere Mägen mit wirklich leckeren Fisch, der zudem auch noch sehr preiswert war. Beim Essen draußen vor dem Laden mussten wir allerdings sehr auf die allzu frechen Möwen achten, die schon mal neben einem auf dem Tisch saßen und auf einem Happen warteten.
Von Hout Bay aus wollten wir den Chapmans Peak Drive entlang weiter nach Süden fahren. Die ersten Kilometer waren gespenstisch und beeindruckend zu gleich. Zwei Wochen vor unserer Reise waren schlimme Brände über die Kaphalbinsel hinweggefegt und die Folgen waren noch allgegenwärtig. Riesige Flächen verbrannter Proteenbüsche hinterließen ein einmaliges Bild. Der Chapmans Peak Drive selbst war gesperrt. Wir waren froh, in unserem ersten Südafrikaurlaub dort schon einmal entlang gefahren zu sein und somit diese einmalige Küstenstraße schon einmal bestaunen zu haben. Anschließend ging es zurück nach Hout Bay und dann über Constantia nach Simons Town. Dort fuhren wir an den Pinguin Strand Boulders. Wir waren schon mal dort und wollten uns die kleinen possierlichen Vögel abermals anschauen. Nur waren wir dieses Mal inmitten der Touristensaison dort und es wimmelte nur so von Autos und Reisebussen sowie Nikon- und Canon-bewaffneten Menschen. So drehten wir gleich wieder um und fuhren entlang der False Bay durch herrliche kleine Orte wie St.James und Muizenburg. Da wir nun etwas müder wurden, beschlossen wir immer entlang der Küste bis nach Somerset West zu fahren, wo wir die nächsten Tage verbringen wollten.
In der empfehlenswerten Pension Helderbos hatten wir vorgebucht. Seit unserem ersten Südafrikaaufenthalt waren wir mit dem Gastgeberehepaar Nonni & Peet Oosthuizen in Kontakt geblieben. Als wir ankamen, waren die beiden zwar gerade zu einer Geburtstagsfeier, aber Kathrina, ihre Angestellte, erkannte uns und bereitete uns gleich Kaffee und Kuchen. Wir konnten zwischen allen Zimmern auswählen und nachdem wir ausgesucht hatten und eingezogen waren, setzten wir uns in den Garten und warteten auf die Gastgeber. Die kamen dann auch und begrüßten uns überschwenglichst. Dann tauchte auch Sting auf, der Haushund und freute sich ebenfalls. Neben Sting leben sicher noch ca. 30 Hunde auf dem Grundstück, denn Nonnie ist eine sehr bekannte Bullterrier-Züchterin. Das machte sich auch gleich bemerkbar. Es kamen neben anderen Übernachtungsgästen auch Hundeinteressenten. Die Chance nutzten wir gleich, um einen Blick in die Welpenstube zu werfen und die kleinen tollpatschigen Hunde zu bestaunen. Anschließend probierte ich noch den Wagenheber aus und prüfte das Ersatzrad, immerhin wollten wir ja noch quer durch Namibia. Am Abend fuhren wir nach Stellenbosch, erkundigten uns nach den dort stattfindenden Picknick-Konzerten und aßen bei einem Italiener.
Nach einem komatösen Schlaf genossen wir das herrliche Sonntagsfrühstück gemeinsam mit weiteren Gästen aus Deutschland und aus England und machten Tagespläne. Unweit von Somerset West an der False Bay liegt Gordons Bay. Am dortigen Bikini Beach erhaschten wir unsere ersten Farbpigmente im und am Wasser. Das Wetter war fast perfekt, warm, keine Wolke am Himmel nur etwas zu windig. Nach einem sehr erfrischenden Bad fuhren wir auf der N2 über den Sir Lowry Pass. Dann bogen wir nach Norden ab in Richtung Franschhoek. Es ging vorbei an Weinbergen durch herrliche Landschaften. Wir hielten oft an, um uns an den Ausblicken zu erfreuen. Im ersten Weingut in Franschhoek erfuhren wir, dass sonntags die meisten Weingüter geschlossen hatten und weder Weinverkauf noch -verkostungen durchführten. Geöffnet hatten nur die, die zusätzlich ein Restaurant betrieben. Ein solches fanden wir dann auch und wir bekamen noch einen Merlot und einen Portwein. Der nächste Ort war Paarl. Auch dort waren alle Weingüter geschlossen, aber es gibt noch eine Sehenswürdigkeit, die wir uns anschauen wollten, das Afrikaanse Taalmonument. Dieses Denkmal ist der afrikaansen Sprache gewidmet und sieht fast wie eine Raketenstartrampe aus. Vom Monument aus hatten wir einen herrlichen Blick auf die Landschaft und sogar der Tafelberg in Kapstadt zeichnete sich schemenhaft am Horizont ab. Alles war so schön idyllisch, bis eine Handvoll Touristen aus dem Land der aufgehenden Sonne auftauchte.
Wir fanden noch einen Prospekt von einem Löwenpark in der Nähe und machten uns dorthin auf den Weg. Es handelte sich um eine kleine Anlage, die aus drei Gehegen bestand, über die wir auf einem Holzrundweg entlang liefen und die Kätzchen von oben herab betrachteten. Das ist zwar nicht allzu aufregend, aber so langweilig gegähnt wie die Miezen unter uns, haben wir nun auch nicht. Immerhin sind ein paar schöne Löwenfotos zustande gekommen, um die herum man später sicher noch ein paar aufregende Löwengeschichten stricken könnte. Dass wir das später überhaupt nicht nötig haben würden, konnten wir zu dem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen.
Nach Stellenbosch war es nun nicht mehr weit. Wir fuhren durch Weingüter, die leider alle geschlossen hatten. An einem geöffneten Supermarkt besorgten wir uns noch Picknickutensilien. Das war gar kein Problem. Es gab Cracker, Käse, Wurst, Plastikweingläser, nur keinen Wein. Obwohl die südafrikanischen Geschäfte wohl sehr liberale Öffnungszeiten besitzen, dürfen sie anscheinend am Sonntag keinen Alkohol verkaufen. Wir hatten zwar Wein dabei, der war aber mittlerweile etwas warm und wir wollten uns einen kühlen aus dem Kühlschrank gönnen. So fuhren wir aber doch recht gut ausgestattet zu Oude Libertas, einem Weingut in Stellenbosch, wo ein Picknickkonzert stattfand. Für acht Rand (Feb. 2000: 1 Rand entspricht ca. 30 Pfennige) Rasenbenutzungsgebühr konnten wir uns auf dem Grün niederlassen. Wir packten unsere mitgebrachten Sachen aus und begannen sie zu verzehren. Natürlich waren wir im Gegensatz zu den anderen Picknickgästen hoffnungslos minderbemittelt, was die mitgebrachten Sachen betraf. Wir hatten ja nicht mal eine Kühltasche! Es trafen sich dort Familien aller Generationen, teils auf kleinen Campingstühlen sitzend, teils auf Decken zum gemeinsamen Picknick mit Musik. Auf dem Gelände befand sich ein Amphitheater, in dem das Orchester der südafrikanischen Armee uns den einen oder anderen Marsch blies. Es wurden aber auch andere klassische Stücke dargeboten und auch interessante Adaptionen bekannter Melodien. Der Dirigent führte sehr locker und eloquent durchs Programm, was sehr gut zur entspannten Atmosphäre Passte. Diese Picknickkonzerte finden regelmäßig statt. Es gibt aber auch "normale" Konzerte im Amphitheater. Der Veranstaltungskalender war im Internet zu finden.
In unserer Pension wurden wir von den Gastgebern zum Abendessen eingeladen. Wir mussten zwar wegen akuter Sättigung dankend absagen, setzten uns aber trotzdem nach wiederholter Aufforderung dazu. Die Schwester von Peet war da und sie und ihr Bruder lieferten sich so manches lustige Wortgefecht. Wir erfuhren an diesem Abend einige interessante Dinge über die anderen Länder im südlichen Afrika, so auch über Namibia.
Den nächsten Tag hatten wir für Kapstadt reserviert. Es war Montag und wir erhofften uns an den Sehenswürdigkeiten weniger Trubel als am Wochenende. Das Wetter war herrlich und wir sahen auch keine Wolkenmütze auf dem Tafelberg, so dass unser erstes Ziel klar war. Wir fuhren also zur Liftstation, wo sich schon einige Touristen tummelten. Es sah sehr nach Massenbetrieb aus, aber es war gar nicht so schlimm. Die neuen Gondeln aus der Schweiz beförderten sehr schnell sehr viele Menschen hinauf und hinab. Eigentlich wollten wir ja hinauf wandern und nur hinunter fahren, aber bei den Temperaturen jenseits der 30°-Marke überlegten wir es uns doch anders. Doch wir kamen noch zu unserer Wanderung. In der Nähe der Bergstation oben auf dem Tafelberg trafen wir auf jede Menge Menschen, die staunend herumliefen und Landschaften und Angehörige und beide in Kombination auf ihr Zelluloid projizierten. Die meisten stammten aus dem gleichen Land wie ihre Fotoausrüstung. Als wir aber die gut gestalteten und sicher sogar behindertenfreundlich ausgebauten Wege verließen und uns etwas von der Bergstation entfernten, waren wir recht bald unter uns. Wir wanderten entlang der Ostflanke des Tafelberges mit Blick zur Kaphalbinsel zur höchsten Erhebung an der Nordspitze. Dort standen wir nun auf über 1000 Metern, oberhalb der von Süden kommenden Wolken. Unter uns erstreckte sich eine Millionenstadt mit all ihrem Großstadtgewimmel und das Einzige was wir hörten, war der Wind. Bewegt von diesen einmaligen Eindrücken machten wir uns auf den Rückweg, diesmal entlang der Westflanke. Wir mussten jetzt oft knapp am Abhang entlang wandern mit herrlichem Ausblick auf die Stadt und Robben Island. Nach fast zwei Stunden kamen wir wieder zur bevölkerten Bergstation und fuhren wieder hinab.
Mittlerweile war es Mittagszeit und die Hitze am größten. Für diesen Fall hatten wir das gut temperierte Two Oceans Aquarium ins Auge gefasst. Es war unser zweiter Besuch in dieser empfehlenswerten Anlage. Wir waren abermals fasziniert von den herrlich angelegten Becken. Am Nachmittag fuhren wir nach Kirstenbosch in den Botanischen Garten. Eine herrliche Anlage, die die komplette Flora Südafrikas widerspiegelt. Wir wanderten vorbei an Proteengärten, durch Kampferbaumalleen und durch Palmenhaine. Leider taten uns mittlerweile die Füße schon arg weh, so dass wir nur einen Teil durchstreiften.
Zurück in Helderbos trafen wir als erstes auf Peet, der im Garten sein Rückenleiden mit Yoga bekämpfte. Nonnie bestellte uns dann einen Tisch in einem nahegelegenen Restaurant und nach dem Essen saßen wir wieder gemeinsam mit unseren Gastgebern bis spät in die Nacht bei Sekt und langen Gesprächen.
Mein Wunsch war schon seit langem, meinen Geburtstag einmal im Sommer mit leichter Kleidung zu begehen. Das ist nicht einfach, da ich im Februar geboren bin und in Deutschland lebe. Aber in Südafrika konnte ich nun in kurzen Hosen bei moderaten 25°C über den Hof gehen und beim Frühstück die Gratulationen aller Anwesenden entgegennehmen. Dann hieß es Abschied nehmen. Wir ließen die Wertsachen, die wir auf unserer weiteren Reise nicht brauchten in Nonnies Safe, tauschten Bargeld, packten unsere Sachen zusammen und machten uns auf in Richtung Norden. Via Stellenbosch und Malmesbury kamen wir auf die N7, die uns direkt nach Springbok brachte. Die Landschaft unterwegs war atemberaubend. In der Gegend um Citrusdal fuhren wir durch das Obstanbaugebiet Südafrikas. Zitronen, Orangen, Grapefruit, so weit das Auge reichte. Dann wandelte sich die Gegend zur Halbwüste. Die Straße verlief scheinbar endlos im Horizont, die Ortschaften lagen mindestens 50 Kilometer auseinander und wir trafen kaum noch auf Autos. Die knapp 600 Kilometer haben wir in nicht einmal fünf Stunden geschafft und wir kamen am frühen Nachmittag in Springbok an. Unsere als erste avisierte Unterkunft, Annie's Cottage, machte einen sehr schönen Eindruck, war aber leider ausgebucht. Dafür wurden wir aber von einem sehr zuvorkommenden Herrn gleich an das Mountain View Guest House weiter vermittelt. Dort konnten wir uns das Zimmer aussuchen und hatten die Qual der Wahl. Wonach soll man gehen, wenn alle super aussehen? Wir entschieden uns für eines, welches nicht so häufig von der Hauskatze besucht wurde in Rücksichtnahme auf meine Katzenhaarallergie. Wir bekamen Kaffee und sogar noch einen Geburtstagskuchen. Die Inneneinrichtung des Guest House's schaffte übrigens eine sehr gelungene Gratwanderung zwischen modernem Design und afrikanischer Kultur. Den Tag beendeten wir mit einem Abendessen und dem Schreiben der ersten Postkarten.