Eine Woche Gourmet und zwei Wochen Busch

oder: Von der falschen Bucht bis zur größten Dusche Afrikas

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Prolog

Zwei Jahre ohne Afrika sind für einen Afrikabegeisterten wie mich schon fast wie Entzug. Aber in diesem Jahr konnte ich die Droge südliches Afrika wieder in vollen Zügen genießen.
Sicher ein schwülstiger Anfang für einen ganz profanen Reisebericht, aber in den letzten zwei Jahren hatte ich eine Menge neuer Anfänge, beruflich wie privat, so dass mir dieser Start verziehen sei.
Nachdem ich alle meine vorherigen Reisen in Begleitung gemacht hatte, sah es diesmal so aus, als ob ich allein auf Tour gehen würde. Doch so ganz allein wollte ich dann doch nicht reisen. Es war weniger die Sorge allein durch Südafrika zu reisen. Vielmehr die Vorstellung, ohne einen Reisepartner - mit dem man sich über das Erlebte austauschen kann - unterwegs zu sein, behagte mir nicht so recht. So entschied ich mich eine geführte Safari durch Botswana zu machen. Eine Woche wollte ich aber noch in Südafrika verbringen, auch allein falls nötig. Aber selbst das ergab sich. Sandra, eine langjährige Freundin entschloss sich relativ kurzfristig mich durch Südafrika zu begleiten. Wir wollten uns in der Zeit Kapstadt, die Kapregion, die Gartenroute und die kleine Karroo anschauen. Wir hatten nur die erste Unterkunft in Kapstadt gebucht, ansonsten wollten wir unterwegs in B&B's übernachten, wobei wir uns als Richtwert 300 Rand pro Person pro Nacht gesetzt hatten. Aufgrund des sehr günstigen Wechselkurses zum Euro von etwa 1:10 standen uns somit schon recht noble Unterkünfte zur Auswahl.

Kapstadt

"Hallo Andreas, wo willst Du denn hin?" Das war nicht gerade das, was ich in London beim Einsteigen in den Jumbo nach Kapstadt erwartet hätte. Micha hatte ich über ein Jahr lang nicht gesehen und das ich ihn auf einem gemeinsamen Flug nach Kapstadt wieder sehen würde, hätte ich nicht gerade erwartet. Aber mir sollten auf meiner Reise noch einige Dinge passieren, mit denen ich nie gerechnet hätte. Angekommen in Kapstadt überlegten wir noch, ob man sich mal auf der weiteren Reise trifft. Wir machten aber keine festen Verabredungen sondern hofften, dass wir uns mal über den Weg laufen, da wir ähnliche Reiserouten hatten. Dass dies nicht klappen würde und wir uns um jeweils einen Tag verpassen würden, konnte ich noch nicht ahnen, da die erste Überraschung auf mich wartete.
Es war 8 Uhr morgens, Sandras Flugzeug sollte erst kurz vor ein Uhr ankommen. So blieben mir noch ein paar Stunden Zeit, die ich mit einer investigativen Erkundungstour füllen wollte. Und zwar wollte ich erkunden, wo Nonnie und Peet - meine Bekannten aus Somerset West in der Nähe von Kapstadt - geblieben sind. Das letzte Mal hatte ich vor über einem Jahr von ihnen gehört und erfahren, dass sie ihre B&B Helderbos verkaufen und in einen Bungalow am Atlantik ziehen wollten. Da ich nicht wusste wo der ist, wollte ich meine Nachforschungen bei den jetzigen Besitzern von Helderbos starten und fuhr so nach Somerset West.
Als ich im Auto saß, die N2 nach Osten fuhr, im Radio KFM hörte, das Licht und den Geruch des Landes in mich aufsog, bei angenehmen 20°C den südafrikanischen Frühling und die Landschaft um die Helderberge genoss, war es da: eine Gefühlswelt die alle Südafrikafans immer wieder hier herzieht. Letzteren ist auch der vorherige Satz gewidmet. Mittlerweile fühle ich mich auf der Strecke nicht mehr als ein Gast in einem Urlaubsland, sondern schon wie auf dem Weg zu Freunden, den man schon sehr oft gefahren ist. Ich kenne fast schon alle Ausfahrten zwischen Kapstadt und Somerset West. Nun aber genug der Gefühlsduselei, wir sind hier ja nicht in den Romanen von Rosamunde Pilcher oder Stefanie Gercke.
Die erste Überraschung erwartete mich in Helderbos. Als ich auf den Hof fuhr stand dort Peet. Wahrscheinlich schauten wir bei gleich verdattert aus der Wäsche. Ich, weil ich nicht erwartete, ihn hier zu sehen und er ebenso auf meine Person bezogen. Nonnie kam auch gleich dazu und nach einer herzlichen Begrüßung tauschten wir bei Kaffee und Keksen unsere Geschichten aus. Ihr Hausverkauf war drei Tage vor Vertragsunterzeichnung geplatzt und so sind sie immer noch Herren von Helderbos. Den Bungalow haben sie auch noch, vermieten ihn aber seit kurzen an Touristen und da er zur Zeit gerade leer stand, bekam ich eine Flasche Sekt, die ich dort mit Sandra trinken sollte. Südafrikanische Gastfreundschaft ist schwer zu schlagen. Jetzt bereute ich natürlich, dass ich eine Übernachtung in Kapstadt im Voraus gebucht hatte. Ich glaube das war auch das einzige was ich auf der ganzen Reise bereute.
Da passierte das was ich im Urlaub so hasse: die Zeit verfliegt viel schneller als sonst. Doch diesmal freute ich mich auch, denn Sandra sollte landen und ich sie abholen. Vorher besorgte ich noch ein paar Picknick-Utensilien im Pick'n'Pay. Ich hatte am Flughafen noch ein paar Orientierungsprobleme auf die einzugehen mir mein Narzissmus verbietet. So fand ich eine brav ausharrende Sandra in der Empfangshalle der innersüdafrikanischen Flüge vor, die seit 15 Minuten auf mich warten musste. Nach der Begrüßung gingen wir zum Auto und ich genoss es, als Sandra zielstrebig auf der Fahrerseite einsteigen wollte, wobei sie nicht mal einen Führerschein hat. Als Beifahrerin gewöhnte sie sich aber schnell an den Linksverkehr. Manchmal bin ich aber auch ein Schelm.
Der Tafelberg ist sicher die Hauptattraktion Kapstadts, aber es gehört auch immer etwas Glück dazu ihn wolkenfrei zu sehen und zu erklimmen. Während am Morgen der Berg noch komplett eingehüllt war, schien es jetzt, das er sich für uns freimachte, als wollte er sagen: Los besteigt mich! So entschieden wir uns trotz anstrengender Flüge und wenig Schlaf zum Tafelberg zu fahren und hochzufahren. Als wir oben waren und den traumhaften Blick genossen, waren alle Unannehmlichkeiten vergessen. Wir machten ein kleines Picknick mit Obstsalat und -säften und blickten von etwa tausend Meter Höhe auf die älteste Stadt Südafrikas. In Kapstadt kann so mit Fug und Recht behaupten: Kaum ist man hier, liegt einem die Stadt zu Füßen.
Aber der Tafelberg selbst ist auch sehr anschauenswert und ein nicht weit entfernter Platz ihn gut zu sehen, ist der Signal Hill, wo wir als nächstes hinfuhren und wo Sandra entzückt von den frei herumlaufenden Perlhühnern Appetit bekam; auf mehr Südafrika, denke ich.
Nach einer Fahrt durch Camps Bay zur V&A Waterfront und einem Bummel dort, fuhren wir zu unserer Unterkunft in Oranjezicht, checkten ein und frönten dem eigentlich Hauptanliegen unserer Reise, dem Weintrinken. Wir hatten die einwöchige Tour als Genussreise geplant mit Essen in guten Restaurants, wohnen in tollen Unterkünften und vor allem der Verkostung der südafrikanischen Weine. Nachdem wir nun die erste Flasche Chardonnay geöffnet, probiert und uns an ihr ergötzt hatten, gingen wir ins Stadtzentrum um ohne vorheriger Reservierung einen Tisch im Café Afrika zu bekommen. Letzteres schlug fehl. Um die Ecke fanden wir aber ein sehr neues Restaurant, Shona. Das war sehr stylish und etwas extravagant, besonders die Gerichte. Das Straußfilet mit Minze war erfrischend und mutig, aber durchaus gelungen. Darüber hinaus kam wirklich jeder Mitarbeiter vom Manager über den Koch bis hin zum Barmann zu uns um sich nach unserem Befinden und unseren Wünsche zu erkundigen. Zurück zur Unterkunft nahmen wir ein Taxi mit einem sehr freundlichen und fröhlichen Fahrer, tranken als Absacker noch ein Windhoek Lager Bier und fielen ins Koma.

Regen


Es regnete. Waagerecht. War es am Vortag noch ein sanfter Frühlingstag, so ließ die Mischung aus starken Wind und Regen, mit der wir wach wurden, nicht gerade Urlaubsgefühle erwachen. Beim Frühstück stellten wir fest, dass die anderen 4 Gäste alle Deutsche waren, im Gegensatz zu uns aber ihren Urlaub hinter sich hatten. Das Wetter wurde besser, aber nicht gut. Es wollte uns sagen: Geht ins Museum.
Das Two Oceans Museum hatte ich bislang auf jeder meiner SA Reisen besucht, so auch dieses Mal. Es ist immer wieder einen Besuch wert. Danach fuhren wir nach Camps Bay um eine Unterkunft zu suchen. Die erste sehr viel versprechende war leider ausgebucht, aber man verwies uns auf eine adäquate in derselben Straße. ‚The Cape Bali' war noch recht leer und so konnten wir uns das Zimmer aussuchen. Die Dame meinte sie fängt mit dem teuersten an und zeigt uns dann preislich absteigend die Zimmer. Das erste war mondän, mit großem Himmelbett, eigenem Balkon, Riesenbad mit Blick auf den Tafelberg von der Dusche aus. Der Preis: 1100 Rand. Verschreckt fragten wir nach dem zweitteuersten. Für 700 Rand ist ein nicht wesentlich minder ausgestattetes Zimmer, allerdings ohne Balkon, dafür mit Panoramafenster mit Blick auf den Atlantik zu haben. Jetzt bekamen wir auch endlich mit, dass der Preis für zwei ist. Dieser Traum war also für 350 Rand pro Person und Nacht zu haben. Wir fragten, wie wir Idealerweise das Gepäck reinkriegen und wo wir das Auto parken könnten.
In Hout Bay steht ‚Fish on the Rocks'. Dort gibt es Fish & Chips. Ich hatte schon gelesen, es sollen die besten Afrikas sein. Ich kenne nicht viele afrikanische Fish & Chips Läden, ich weiß nur, dass es dort sehr gut schmeckt und ich zum wiederholten Male dort einkehrte. Sandra war auch von der Qualität überzeugt und amüsierte sich noch über die Fütterung einer Robbe hinterm Haus.
Danach fuhren wir zum Chapman's Peak Drive, der leider immer noch gesperrt war. Am Ende der befahrbaren Straße bot sich uns ein herrlicher Blick auf die Bucht von Hout Bay und Sandra fragte mich, ob in diese Bucht auch Wale kommen. Ich wollte gerade mit meinem mir aus Reiseführern erworbenen Wissen prahlen und von Hermanus berichten und das auch hin und wieder hier in der Bucht Wale zu sehen sind, aber längst nicht so sicher wie in Hermanus... Da unterbrach mich Sandra, sie hätte da was im Wasser entdeckt. Tatsächlich: Wale. Ich hatte gehofft frühestens in Hermanus, einen für seine ausgezeichneten Walbeobachtungsmöglichkeiten bekannten Ort Wale zu sehen, aber hier tummelten sich 4-5 Wale und waren anscheinend auf der Jagd. Auf der Rückfahrt nach Hout Bay säumten dann auch schon etliche Whale Watcher die Straße.
In Vorbereitung unserer Weinreise hatte ich mich schon über empfehlenswerte Weine und besuchenswerte Weingüter informiert. Eines davon war Buitenverwachting. Das war unser nächstes Ziel. Es ist wirklich sehr schön angelegt und der Wein fand auch unser Gefallen, am meisten beeindruckte Sandra aber ein frei herumlaufendes Schwein. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die einen entzücken. Gleich um die Ecke ist das Weingut Klein Constantia. Ich hatte eine Empfehlung für einen '97er Marlbrook in einem Magazin gelesen und wollte nun natürlich mal schauen, ob sie eventuell noch eine Flasche für uns haben. Als ich meinen Wunsch dort kundtat, bedauerte die Dame, sie hätten von der Sorte nur noch Magnumflaschen. "Na gut, dann nehmen wir halt nur eine."
Ein Besuch des Kirstenbosch Botanischen Gartens ließ uns noch mal in die Blütenpracht und Artenvielfalt der südafrikanischen Flora eintauchen. Auch einige Vertreter der Fauna waren zu sehen, besonders viele Vögel und einige Mangusten.
Auf dem Rückweg lag Nonnies & Peets Bungalow. Bewaffnet mit der Flasche Sekt stiegen wir die Stufen zum Haus hinab. Der Bungalow befindet sich direkt am Wasser, vom einem der Schlafzimmer aus kann man den Sonnenuntergang im Atlantik beobachten. Da wir keine Schlüssel hatten, taten wir dies von der Terrasse aus. Es war sehr schön. Warum kann man nicht so wohnen?
Ein Restaurant zu finden in Camps Bay ist nicht schwer. Wir entschieden uns für ‚Oceans Blue' direkt an der Promenade. Wir konnten selbstverständlich unsern angefangenen Sekt mitbringen und bekamen einen Kühler und Gläser und uns wurde eingeschenkt. Die Seafood-Platte konnten wir uns anhand der von Kellner frisch präsentierten ‚Fänge des Tages' selbst zusammenstellen. Allerdings hatte der äußerst angenehme und unterhaltsame Kellner etwas unseren Appetit überschätzt. Als es soweit war, dass serviert werden sollte, bat er uns an einen größeren Tisch zu wechseln, da die Platte nicht auf den Zwei-Personen-Tisch passe. Dann kam sie, die Seafood-Platte, von der auch vier Personen satt geworden wären: Kingklipper - der Fang des Tages -, zwei Sorten Riesengarnelen und ein großer Hummer, zart gekocht und etwas überbacken, zu genießen mit Knoblauchsauce. Dazu Reis und Pommes frites. Das Ganze war ein kulinarisches Gedicht, fein abgeschmeckt gut abgestimmt zusammen gestellt und teurer als das teuere Zimmer in Cape Bali. Aber wir haben es nicht bereut. Es war zu gut.

Am Kap

Morgens aufwachen, die Sonne scheint, der Ozean ist blau, die Aussicht traumhaft - schon vom Bett aus - so sollte jeder Tag beginnen. Unser begann so. Dazu gab es noch ein sehr gutes Frühstück mit angenehmen Smalltalk mit den Gastgebern.
Im Gegensatz zum Morgen davor schien uns das Wetter verwöhnen zu wollen und es schaffte es auch den ganzen Tag über. Die Kaphalbinsel stand auf dem Plan und wir mussten leider auf Grund der Sperrung des Cheapman Peak Drives über Umwege dorthin fahren. Zuerst fuhren wir zum Kap der guten Hoffnung. Dort erwarteten uns Strauße direkt am Wasser. Es kommt sicher nicht sehr oft vor, dass man Fotos von typischen Wüsten- und Savannenbewohnern vor hereinbrechenden Wellen eines Ozeans macht. Wir taten es aber. Dann kam ein Schatten über uns und eine Bus mit Touristen stand plötzlich hinter uns. Am Kap selbst waren wir die ersten und konnten in aller Ruhe Bilder vor dem berühmten Schild machen, bevor man sich auf Grund der Nachfrage anstellen musste.
Ein eigener kleiner Geheimtipp von mir ist eine Wanderung vom Kap der guten Hoffnung zum Cape Point und zurück. Die Landschaft ist traumhaft und die Wanderung nicht allzu anstrengend. Dafür konnte ich auch Sandra gewinnen und wir schnürten unsere Stiefel und stiefelten los. Unterwegs hatten wir in der Tat schöne Ausblicke auf in der Brandung jagende Kormorane und Möwen und am Cape Point auf fotografierende Japaner. Diese putzigen Gestalten findet man immer an bekannten Sehenswürdigkeiten. Man kann sie gefahrlos beobachten, sollte sie allerdings nicht füttern. Dafür bieten sie durch ihr uns befremdliches Verhalten immer wieder Gesprächstoff auch für weit über die Zeit des Zusammentreffens hinaus. Allerdings waren am Lighthouse auch Menschen aus vielen anderen Teilen der Welt und - was mich besonders freute - auch Afrikas zu sehen.
Auf dem Rückweg zum Kap der guten Hoffnung wollten wir noch ein paar Klippschliefer aufspüren, was uns auch gelang. Diese kleinen possierlichen Nager flitzten zunächst in ihre Verstecke, wenn man ihr Gebiet betritt. Andererseits sind sie so neugierig, dass wenn man fünf Minuten einfach sitzen bleibt, sie wieder hervor kommen und man sie in aller Ruhe beobachten und fotografieren kann. Dann stören sie nicht einmal die "ah"'s und "oh"'s und "wie süß"'s von weiblichen Reisebegleitern.
Pinguine in Afrika? Immer wieder ernte ich überraschte Blicke, wenn ich aus Afrika nach Hause komme und Fotos von den Pinguinen aus Simons Town zeigte. Hier an der False Bay - der falschen Bucht - scheint dies manchem falsch vorzukommen, neben Pinguinen baden zu können. Wir taten es. Allerdings hatten wir im Gegensatz zu den kleinen Fischjägern keine Badefracks dabei und wir beließen es beim Wasserwaten und "In der Sonne liegen".
Übernachten wollten wir in Helderbos und so kauften wir noch ein paar Blumen zur Begrüßung und fuhren nach Somerset West. Der Abend bei Nonnie & Peet war wie in Familie. Er hatte nur einen Wermutstropfen. Ich hatte gehofft, vor meinem Abflug nach Victoria Falls eine Woche darauf, dort zu übernachten, da es nicht weit zum Flughafen ist. Aber Helderbos war ausgebucht. Nonnie besorgte mir aber noch ein anderes Quartier in der Nähe und wir verabredeten uns zumindest zum Abendessen an dem Abend.

Wale

Sicherlich wird es langweilig, wenn man immer wieder über das Wetter schreibt, aber es sollte trotzdem erwähnt sein: es war sonnig, warm, eine leichte Brise. So macht Aufstehen Spaß.
Ein weiterer kleiner Geheimtipp von mir: Vergelegen. Dieses Weingut befindet sich in Somerset West und ist eines der schönsten. Auch am Sonntag war es für Besichtigungen und Verkauf geöffnet, nur Weinproben wurden nicht veranstaltet. Dafür kann man in dem herrlichen Rosengarten an den Blumen riechen bis man die Nase voll hat. Als meine persönliche Weinempfehlung dieses Gutes gilt der Chardonnay.
Es soll der beste Ort der Welt sein um Wale von Land aus beobachten zu können: Hermanus. Davor lag noch eine herrliche Küstenstraße die in Gordons Bay begann. Kaum waren wir angekommen sahen wir auch schon jede Menge dieser Meeressäuger im Wasser und begeistert gingen wir ans Ufer und belichteten Zelluloid. Nach dem der erste Durst gestillt war, machten wir uns auf Zimmersuche. Ausgebucht! Es gab sehr viele B&B's in Hermanus, aber alle scheinen ausgebucht. Unsere letzte Hoffnung war die Touristinformation. Die nette Dame dort telefonierte noch etwas herum und hatte als einzige Alternative eine Unterkunft bei einem schwulen Paar in Vermont - ein Vorort von Hermanuns. Nun bin ich von Köln einiges gewöhnt - ich wohne dort auch in einem Vorort - aber uns wäre der Hauptort schon lieber. Da fiel der netten Dame noch eine kleine B&B gleich um die Ecke ein, die zwar nicht direkt am Wasser lag, aber auch nicht allzu weit entfernt. Die B&B machte einen sehr schönen Eindruck. Die Gastgeber, ein Paar in den Sechzigern, war sehr nett und zuvorkommend so dass wir uns gleich wohl fühlten. Den Nachmittag verbrachten wir am Pool mit Wein und Bier und keinen Wolken.
Gegen Abend gingen wir nochmals zur Küste und obwohl wir am Tag schon einige Wale in der Bucht gesehen hatten, waren wir diesmal von dem neuen Anblick überwältigt. Ich hatte es zwar schon vorher gelesen und gehört, es aber immer als Touristen-Anlock-Werbung abgetan, aber hier sah ich's mit meinen eigenen Augen. Die Wale kamen bis auf wenige Meter ans Ufer und man konnte ihnen am Ufer entlang folgen. Als Höhepunkt sprang noch ein Wal direkt vor uns und vielen anderen aus dem Wasser und klatschte mit einem bombastischen Platschen ins Wasser. Die Menge teilte sich nun mit ihren Äußerungen in zwei Lager. Die eine Gruppe rief "Toll!", "Great!", etc. und die andere "Shit!". Letztere hatten nicht rechtzeitig auf den Auslöser der Kamera klicken können.
Beim Abendessen hatten wir den einzigen Hänger dieser Reise in Sachen Wein, aber wir hatten ja noch einen angegangenen Chardonnay in unserer B&B. Freudig dort angekommen stellten wir fest, dass der ausgetrunken war. Als wir unsere Gastgeber darauf ansprachen, entschuldigten sie sich überschwänglichst, sie hatten die Flasche für ihre gehalten und mit anderen Gästen ausgetrunken. Wir bekamen sehr guten Ersatz und es war ihnen so peinlich, dass wir am nächsten Morgen nicht mal unsere Getränke vom Vortag bezahlen mussten.

Garden Route

Knysna sollte das nächste Ziel sein. Auf dem Weg dorthin stoppten wir noch in Swellendam, wo wir uns die Kirche und das Drosty anschauten. Drosty's sind ehemalige Verwaltungssitze, die teilweise sehr gut erhalten und sehenswert sind. Hier erfährt man viel über das Leben der ersten Siedler und die Geschichte Südafrikas.
Über Heidelberg ging es dann nach George, wo wir nur einen Tank- und Imbissstopp einlegten. In Knysna angekommen gingen wir zur erstbesten Touristinformation und hatten mal wieder die Qual der Wahl bei der Unterkunftssuche. Ein es gut meinender Deutscher, der zufällig dort herumstand und sehr gesprächsintensiv war, wollte auch immer noch sein Wissen einbringen. Trotz dieser Widrigkeiten buchten wir eine B&B auf Leisure Island. Knysna hat eine große Lagune und in der Lagune befinden zwei Inseln, Leisure und Thesen Island. Wir fuhren nun auf unsere Insel und wurden aufs Angenehmste überrascht, als wir uns endlich durch das Straßengewirr gefunden hatten. Das Haus lag am Wasser, war recht groß und vermietete neun Zimmer. Wir wurden von den Gastgebern herzlich begrüßt und wenig später, als wir nochmals zum Shopping in den Ort aufbrachen, reservierten sie uns noch einen Tisch in einem Restaurant.
Dort wo die Lagune ins Meer mündet, stehen zwei große Felsen, die Heads. An diesen befand sich ein Restaurant mit einem herrlichen Blick auf die Lagune, das Meer und den Ort. Darüber hinaus haben wir auch sehr gut gespeist.
Auch wenn es sich langsam wie ein Werbeprospekt liest, wir hatten einfach herrliches Wetter, sehr gutes Frühstück, tollen Blick auf die Lagune und unser Auto wurde gewaschen.
Wir wollten nordwärts über einen Pass nach Outshoorn fahren. Der Sir Alfred Pass ist unbefestigt und führt durch die Wälder um Knysna. Als wir in die Straße einfuhren, errichteten Straßenarbeiter gerade ein sehr großes Schild, wo sicher irgendwas wichtiges zum Pass draufstand. Wir konnten es so schnell nicht lesen und fuhren einfach durch. Auf dem Weg befanden sich allerlei interessante Stopps und wir entschieden uns einen ca. ein Kilometer langen Dschungelpfad entlang zu einem sehr großen Baum zu wandern. Angekommen an dem Baum stellten wir fest, dass wir auch mit dem Auto direkt vorfahren hätten können. So sind wir anscheinend parallel zur Straße gewandert. Den Rückweg nahmen wir dann entlang der Straße und hofften auf keinen Verkehr, denn wenn ein Holztransporter vorbei fahren sollte, sähen wir aus wie Minenarbeiter nach der Schicht und der Ausblick wäre im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Aber wir hatten Glück, nur zwei PKW kamen vorbei und als wir wieder mit dem Auto unterwegs waren begegneten uns einige Vierzigtonner mit Holz, die uns einige Meter im Blindflug fahren ließen.
Ein weiterer Stopp war auf der Spitskoppe, einem Berg, den man mit Glück und Gottvertrauen auch ohne Allradfahrzeug bezwingen kann. Von dort hatten wir faszinierende Ausblicke über der Wald, den Pass und am Horizont sahen wir Knysna. Dann kamen im weiteren Verlauf der Strecke große Erdhaufen, die wir nur geradeso umfahren konnten und einige sehr große Dumper mit Arbeitern entgegen. Am Ende des Passes fuhren wir an zwei großen Straßenschildern vorbei, die die Straße fast blockierten. Als wir uns umschauten, um zu sehen, was draufstand, lasen wir: "Pass geschlossen". Wir bezwangen allerdings den Pass - wahrscheinlich die letzen an dem Tag -, den ich nur weiterempfehlen kann als Alternativstrecke Outshoorn-Knysna.
In Outshoorn angekommen, hatten wir wieder zwischen herrlichen Angeboten zu entscheiden, wo wir unser Haupt für die Nacht betten sollten. Wir entschieden uns für das Adderly House, ein herrschaftliches Anwesen, was wohl mal einem Straußenbaron gehört hatte. Ein Besuch auf einer Straußenfarm war unser nächsten Anliegen und wir entschieden uns für die Cango Farm. Die Führung war recht gut, auch wenn ich schon viele Dinge zum zweiten Mal hörte. Aber diese riesigen mit wenig Intelligenz gesegneten Laufvögel finde ich einfach immer wieder besuchenswert.
Der Rest des Tages passte wieder in ein Prospekt: trockene dreißig Grad, herrliche Straußen-, Kudu- und Springbocksteaks im "Godfathers", Wein im Garten bei warmen Wind spät am Abend.
Ein Sprung in den Pool, Frühstück im Freien und dann ab in die Kälte. Je weiter westlich wir fuhren, je kälter wurde es. In Montagu auf der Route 62 war es unangenehm windig und schon sehr frisch. Unterwegs hatten wir uns auch noch den größten Brandykeller der Welt in Worchester angeschaut. Dann fuhren wir über den herrlichen Franschhoekpass in Franschhoek ein. Eine schöne Unterkunft war schnell gefunden, ein Weingut (La Motte) wurde besichtigt und ein Tisch in einem Restaurant reserviert. Das hört sich sicher für ein Tagesprogramm recht wenig an, aber wir hatten ja Urlaub.
Der nächste Morgen läutete für Sandra den letzten Tag in Südafrika ein. Wir nahmen das Frühstück im Freien ein. Danach fuhren wir nach Stellenbosch. Hier fiel uns zu ersten Mal auf unserer Reise auf, dass es Parkplatzprobleme in einer südafrikanischen Stadt gibt. Da wussten wir, was uns nicht gefehlt hatte. Wir fanden aber einen Parkplatz und gingen noch mal durchs Stadtzentrum. Anschließend fuhren wir noch auf das Weingut Oude Libertas um Wein für zu Hause zu kaufen.
Auf dem Weg zum Flughafen lag noch ein weiteres Weingut, Spier Estate. Dort kann man herrlich die letzte Zeit vorm Flug verbringen. Auf einem herrlichen Picknickplatz genossen wir bei Sonnenschein Kaffee und Kuchen, besichtigten noch ein Gepardengehege und sahen uns das Anwesen inklusive tollem Amphitheater an.
Dann hieß es Abschied nehmen. Ich brachte Sandra zum Flughafen und erkundigte mich auch gleich noch nach meinem Flug am nächsten Morgen. Dann fuhr ich nach Somerset West, tauschte noch etwas Geld ein und ging Shoppen. Ein Vorteil, den man als deutscher Tourist in Südafrika hat, ist der sehr günstige Umtauschkurs. So konnte ich sehr preisgünstig Kleidung für meine anstehende Safari kaufen. Dazu kam noch ein Haarschnitt. Die Friseuse fing gleich ein lockeres Gespräch an und wie sich herausstellte, war sie vor kurzem in Köln und wir unterhielten uns über das Bier in Deutschland und die besten Kneipen in Köln. Wär's nicht auf englisch, hätte ich mich wie zu Hause gefühlt. Na gut der Preis war auch nicht vergleichbar mit den Kölner Preisen.
Frisch eingekleidet und beschnitten fuhr ich nun zu meiner Unterkunft, die in der Nähe des Weingutes Vergelegen lag. Die Besitzerin war Schweizerin, die aber in Tansania aufgewachsen war. Dazu gesellte sich noch ein deutsches Ehepaar, welches mir wortreich beim Bier im Garten von Botswana vorschwärmte. Ich fuhr dann zu Nonnie & Peet, wo ich erfahren musste, dass einer ihrer Gäste kurzfristig abgesagt hatte und ich so doch noch übernachten hätte können. Tja, das war Pech. Wir hatten trotzdem noch einen schönen Abend und sie stimmten mich noch mal auf meine Safari ein.