Die ganze Welt des Wetters in vier Wochen

oder: Wieder vieles falsch und doch richtig in Australien

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Adelaide und Umgebung

Eigentlich war alles ganz anders geplant, nämlich gar nicht. Anke & ich hatten überhaupt keinen größeren Urlaub in der nächsten Zeit ins Auge gefasst und wollten erst im neuen Millennium wieder auf Tour gehen. Da kam aber Ute - eine gute Bekannte, die im Reisebüro arbeitet - mit dem Vorschlag im Februar/März '99 zu dritt nach Down Under zu reisen, da sie als Reisebüromitarbeiterin sehr preisgünstige Flüge bekommen könnte. Kurz entschlossen sagten wir zu und das Abenteuer begann.
Mit einer koreanischen Fluggesellschaft (Korean Air) flogen wir von Frankfurt über Seoul nach Brisbane. Dort waren es morgens um 7.00 Uhr schon 25°C. Dann ging es mit Quantas über Sydney (27°C) nach Adelaide. Mittlerweile war es 15.00 Uhr, bedeckt, windig, 21°C, also genau richtig zum akklimatisieren. Nachdem wir unseren Mietwagen empfangen hatten (Nissan Pulsar, Klima, 1.6 - sehr gutes Gefährt), fuhren wir zum Hotel. Das war eines von den dreien, die wir von zu Hause aus gebucht hatten, da wir am ersten Tag und in den Großstädten Melbourne und Sydney nicht lange nach Quartier suchen wollten. Trotz des nicht idealen Wetters entschlossen wir uns an den Strand zu fahren. Unsere Badesachen ließen wir zurück, was wir bitter bereuten, da das Wasser wärmer als die Luft war und die Wellen großartig. Nachdem wir unsere Füße genug gebadet und ein beträchtliches Stück Strand abgewandert hatten, fuhren wir zurück zum Hotel und machten uns zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt. Nach ersten Einkäufen und Besichtigungen suchten wir nach einem Restaurant. Irgendwie waren wir aber in einer Art Chinatown angekommen und nach dem Flug mit Korean Air hatten wir uns geschworen, bis zum Rückflug kein asiatisches Essen mehr anzurühren. Wir wurden dann aber doch fündig und zwar genau neben unserem Hotel. In dem Wirtshaus klärte uns zunächst ein südafrikanischer Kellner über die Schneekatastrophe in den Österreicher Alpen auf, der er gerade entronnen war. Wir aßen dann australische Känguru-Filets, die ein französischer Koch nach mitteleuropäischer Wildzubereitung (mit Heidelbeeren) anrichtete. Tja, die Welt ist halt ein Dorf.
Am nächsten Tag starteten wir gut ausgeruht und ohne erkennbaren Jetlag in Richtung Barossa-Valley. Das Wetter war großartig. Unser erster Anlauf war ein Weingut. Es war dem Namen nach - Peter Lehmann - ein deutschstämmiges, wie viele in dieser Gegend. Wir stellten fest, dass, anders als in Südafrika, der Wein in Australien sehr teuer ist. Auch beim Erzeuger selbst. Für eine Flasche bezahlt man häufig 10-20 Dollar. Wir fanden dann aber noch einen Bottleshop in der Nähe, indem wir Weinkartons kauften. Das sind Weinschläuche, die in Pappkartons verkauft werden und einen kleinen Zapfhahn haben. Es gibt sie in den verschiedensten Größen (2,..,5 Liter) und unterschiedlichen Rebensorten. Die Qualität des Weines scheint diese Abfüllung nicht zu beeinträchtigen; er schmeckt vorzüglich und stellte somit eine preiswerte Alternative zur Flaschenabfüllung dar.
Die deutschen Wurzeln dieser Gegend gipfelten in Hahndorf. Dies war eine kleine Touristenfalle, voll mit Souvenirläden, Restaurants, etc. Aber empfehlenswert. Wie vielleicht überall auf der Welt wurde auch hier deutsch mit bayerisch substituiert, aber im Gespräch mit Australiern stellten wir immer wieder fest, dass sie über recht gute Kenntnisse in deutscher Geografie verfügten. Nur einmal kam es vor, das jemand die Ostsee in der Nähe von München wähnte - obwohl die fast 1000 Kilometer in Australien auch keine große Entfernung darstellten.
Auf dem Weg entlang der Küste, südlich von Adelaide, fuhren wir parallel zur Younghusband Peninsula. Das ist eine Halbinsel, die ähnlich wie die Nehrungen vor der polnischen Ostseeküste, der eigentlichen Küste vorgelagert ist. Die Halbinsel ist ein Naturschutzgebiet und ein Pelikanparadies. Es gab auf dem Weg Beobachtungsstützpunkte, von denen man die Vögel gut beobachten konnte. Auf der Strecke erlebten wir auch zum ersten Mal die Weite des Landes. Wäre die Straße nicht gewesen und hin und wieder mal ein Verkehrsschild, hätten wir denken können, dass dort noch nie ein Mensch vorbeikam. Wir fuhren manchmal 50 km ohne einem Auto oder einer Niederlassung, wie Dorf oder Farm zu begegnen. Unser Ziel für diesen Tag war Robe. Dies war ein Ort, der nicht nur am Meer lag, sondern auch von zahlreichen kleinen Seen umrandet war und damit einen besonderen Charme ausstrahlte. Wir hatten uns via Internet ein Motel ausgesucht, das direkt an einem solchen See lag und in jeder Hinsicht viel versprach. Leider checkte genau vor uns ein älteres Ehepaar ein, welches das letzte freie Zimmer bekam. Die Dame an der Rezeption empfahl uns aber prompt ein anderes Motel und fragte auch gleich dort an, ob noch Zimmer frei seien. Nun waren wir näher im Ortszentrum und dichter am Meer. Mit einem Spaziergang durch den Ort und Abendessen unter freiem Himmel schlossen wir den Tag ab, nicht ohne im Motel noch den ersten Weinkarton zu beginnen.
Nach einer guten Nacht starteten wir gen Südosten. Unser erstes Ziel am nächsten Morgen war Mt.Gambier. Es lag kurz vor der Bundeslandgrenze zu Victoria. An der dortigen Touristinformation, die - mitten auf dem Land - mit einem großen Segelschiff auf sich aufmerksam machte, wurden wir freundlichst bedient und bekamen jede Menge Papier mit auf dem Weg. Nebenbei entdeckten wir den Lieblingssport der älteren Australier: Bowling. Dabei handelte es sich um eine Art Boccia oder Boule. Es ging darum, einen kleinen weißen Ball mit großen schwarzen Bällen zu umhäufen, um dann mit dem Zollstock den dichtesten zu bestimmen. Das klingt nicht gerade aufregend, aber beim Zuschauen der anhand ihrer Strickjackenfarben getrennten Mannschaften, die stundenlang mit Akribie versuchen, die gegnerischen Bälle wegzudrängen, konnten wir uns schon vorstellen, dass anscheinend keine Talkshow oder Soap es schafft, die Rentner vor den Fernseher zu locken. Außerdem ging es recht friedvoll zu - im Gegensatz zu deutschen Altherren-Fußballmannschaften - und die Kommunikation wurde auch gefördert. Interessanter Sport also für alle Menschen ab 60!
Im Stadtzentrum von Mt.Gambier befand sich Cave Garden. Das war eigentlich nichts aufregendes. Es handelt sich um ein tiefes Loch, das liebevoll mit allerlei Blumen und anderen Pflanzen gestaltet wurde, sehr schön anzusehen und ideal zum entspannen. Eine weitere Höhle befand sich in der Nähe: Engelbrecht Cave. Dort konnten wir mit einer Führung hinabsteigen und erfuhren, dass sie von einem deutschen Whisky-Brenner als Abfallloch genutzt wurde. Heute ist sie bei Höhlentaucher sehr beliebt. Aber damit sind wir noch lange nicht am Ende mit den Löchern im Boden. Es gibt noch einen Kratersee in der Nähe, den man auf gar keinen Fall verpassen sollte: Blue Lake.
Der See ist so blau, dass wir es kaum glauben wollten. Zweimal im Jahr wechselt dazu noch der Blauton, warum weiß wohl noch keiner. In der Nähe des Sees fanden wir einen sehr schönen Picknickplatz, an dem wir unter strenger Aufsicht etlicher Enten und Sumpfhennen unser Mittag zu uns nahmen. Unweit davon befand sich ein kostenloser kleiner Wildlifepark. Dort entdeckten wir unser erstes Känguru, einen Ameisenigel, diverse andere australische Tiere und nach langem, langem "in die Luft starren" unsere ersten Koalas. Die waren echt Weltmeister im Astgabelliegen und Nichtbewegen.
Nachdem wir uns eine ganze Weile dort aufgehalten hatten und so richtig schön entspannt und ausgeruht waren, beschlossen wir noch weiterzufahren, um am nächsten Tag gleich an der Great Ocean Road starten zu können. Das hieß aber auch, dass wir von South Australia nach Victoria fahren müssen. An den Bundeslandgrenzen befand sich laut Reiseführer eine "Fruit Control", dass heißt, dass kein Obst und Gemüse über die Grenze darf im Kampf gegen die Fruchtfliege. Also aßen wir alle unsere Weintrauben, Äpfel, etc. auf, um "sauber" passieren zu können. Als wir dann aber voller Vitamine und mit dicken Bäuchen an die Grenze kamen, war nicht mal ein Hinweisschild zu sehen, geschweige denn irgendeine Kontrolle. Soviel zu den Tipps in den Reiseführern...
Einen kleinen Höhepunkt gab es dann noch auf der Strecke. Uns lief ein Ameisenigel über den Weg. Ganz schön groß diese Tierchen.
In Portland fuhren wir zuerst zu dem Motel, welches wir im Web gefunden hatten und auch dieses hielt was es laut Homepage versprach. Der Gastgeber machte uns gleich auf unsere feuerroten Gesichter aufmerksam. Trotz intensivem Sonnenschutz hatten wir ganz schön Farbe bekommen.

Great Ocean Road

Der neue Tag begann, wie der alte aufhörte, mit Sonnenschein und wolkenlosen Himmel. Es sollte auf der Great Ocean Road entlang einer der spektakulärsten Küsten der Welt gehen. Da wir von Norden kamen, bildeten die 12 Apostel den Abschluss und somit den Höhepunkt. Aber soweit waren wir noch nicht. Den Startschuss gab der Blick auf Lady Julia Percy Island. Ein Aussichtspunkt, an dem man auch schnell mal vorbeifährt, ohne ihn zu bemerken. Dann würde man aber ganz schön was verpassen. Vor allem an einem solchen Morgen wo alles stimmt: das Wetter, die Farbe des Meeres, die Anzahl der Touristen - keine weiter außer uns. Kurz hinter Warnambool ging es dann eigentlich Schlag auf Schlag, besser gesagt Stopp auf Stopp. Den ersten hätten wir wieder beinahe links - oder besser rechts liegen gelassen, da dieser im Gegensatz zu allen andern nicht vorangekündigt wurde. Aber mit einem "Oh, schau mal da rechts!" und der Erkenntnis, das der Wagen kein ABS hatte, standen wir in einer Staubwolke am Rande einer atemberaubenden Küste. Wieder waren wir fast ohne Gesellschaft. Nur ein weiterer Tourist belichtete noch sein Celluloid. Nach ausgiebigem Fotoshooting war es dann nicht mehr so einsam: Herdentrieb. Aber es schien, als würden wir die Herde anführen. Weiter ging es zur London-Bridge und mit etlichen Zwischenstopps nach Port Campbell. Dort erzählte uns die Tankwärterin, welches Glück wir hätten, denn das Wetter und die Wasserfarbe sind bei weitem nicht jeden Tag so, "...when angles travel...". Nach dem Mittagspicknick in der Mittagshitze fuhren wir zum vermeintlichen Höhepunkt, den 12 Aposteln.
Die Mädels waren leider nicht von einem Hubschrauberrundflug zu überzeugen. Als wir ankamen, sahen wir schon jede Menge Reisebusse mit Leuten aus Ländern der aufgehenden Sonne. Irgendwie war es ganz schön voll. Dazu war es diesig, was den Blick auf diese imposanten Gesteinsformationen etwas schmälerte. Vielleicht war das was wir bis dahin gesehen hatten auch nur schwer zu toppen. So fuhren wir recht zügig weiter, obwohl wir jedem diese 12 Apostel empfehlen würde. Ein einmaliges Naturwerk.
Auf der Weiterfahrt in Richtung Melbourne kamen wir noch durch zahlreiche malerische Örtchen, von denen wir Apollo Bay und Lorne erwähnen möchten. Im ersteren machten wir eine Kaffeepause mit anschließendem Strandrundgang. Apollo Bay ist sicher ein idealer Platz für einen Erholungsurlaub, Straßencafés, sehr schöner Strand mit Picknick- und Liegewiese davor. In Lorne sieht's eigentlich ähnlich aus. Dort fuhren wir aber noch eine Runde durch den sehr hügeligen Ort und sahen einige sehr exquisite Grundstücke mit entsprechenden Häusern. Kein schlechter Ort für den Ruhestand.
Via Gelong - nicht weiter erwähnenswerte Industriestadt - kamen wir dann abends in Melbourne an. Das Hotel war schnell gefunden, aber kein Parkplatz. Die Parkplatzsituation in Melbourne ist katastrophal. Kostenlose Plätze gibt's anscheinend überhaupt nicht. Das Hotel bot uns laut Prospekt eine Unterstellmöglichkeit an, die sich als reservierte Stellplätze in einem nahe gelegenen Parkhaus entpuppten, die natürlich nicht im Preis enthalten waren. Dazu kam noch, dass das Hotelkontingent für den Abend ausgeschöpft war. Die Dame an der Rezeption war aber sehr kulant - und auch sonst sehr freundlich und angenehm -, so dass wir erst mal unseren Wagen in die Lieferanteneinfahrt des Hotels stellen konnten und ihn am nächsten Tag umparkten ins Parkhaus (8,- AUD/Nacht).
Den Abend beschlossen wir in einem bekannten Melbourner Pub: Young & Jacksons. Dort bekam !!!!Andreas!!!! ein Bier spendiert, da es an seinem Geburtstag gebraut wurde. Aber der Abend blieb uns auch sonst in äußerst positiver Erinnerung, Life-Musik inklusive, dazu wettende "Sportfans" und feuchtfröhliche Aussies.

Melbourne

Der Victoria Street Market war unser erstes Ziel am Sonntagmorgen in Melbourne. Wir gingen zu Fuß, da unser Hotel ziemlich zentral gelegen war. Der Markt war recht groß und bot von normalen Produkten über typisch australische Sachen bis zu Skurrilitäten alles mögliche. Wir erwarben neben einen Sonnenhut für Anke (sehr wichtig in der australischen Sonne) noch einige andere typisch australische Bekleidungsstücke. Danach gingen wir in Richtung Chinatown. Wir kamen auf ein großes Straßenfest. Das chinesische Neujahrsfest wurde gefeiert und das Jahr des Hasen begrüßt. Ein paar hübsche Häschen sind da auch herumgelaufen.
Weiter ging es zum Parlamentsgebäude und zum Captain Cooks Cottage, welches mitten in einem schönen Park stand. Da wir mittlerweile etwas fußlahm waren, beschlossen wir eine Runde mit dem City Circle zu fahren. Das ist eine ganz tolle Einrichtung in Melbourne: eine kostenlose, historische Straßenbahn, in der wiederum kostenlose Stadtpläne liegen und in der man über alle Sehenswürdigkeiten informiert wird. Eine Einrichtung die wirklich beispielgebend ist.
Nach der Runde durch die Stadt und anschließendem Lunch begaben wir uns aufs Wasser. Durch Melbourne fließt der Yarra-River und etliche Veranstalter bieten die verschiedensten Bootsfahrten an. Wir fuhren einmal in Richtung Hafen raus, wobei wir die Skyline sehr schön sehen konnten. Die zweite Runde ging dann vorbei an den olympischen Sportanlagen ins Grüne, wo die Häuser dann auch merklich flacher wurden und sich Parks und Sportplätze erstreckten. Alles in allem eignete sich diese Fahrt sehr gut zum Verdauen und genießen.
Wieder an Land begaben wir uns auf die Südseite des Flusses, wo wir schon von Bord aus sahen, dass dort viel los ist. Restaurants, Cafés, Aktionskünstler, Kunstwerke, Brunnen und Fontänen wohin das Auge blickt. Ob es nun am Sonntagnachmittag lag oder am schönen Wetter oder wie auch immer es war eine herrliche Atmosphäre und die Leute waren entspannt und gut drauf. Nebenbei sind wir noch durch Zufall ins Kasino gestolpert. Wir hatten zwar kein Interesse bei dem Wetter in einer vollklimatisierten Spielhölle zu sitzen, aber es war schon beeindruckend so viele Automaten und Glücksritter auf einem Haufen zu sehen, so dass wir auch hier noch einen kleinen Rundgang machten.
Der Rialto Tower ist das höchste Gebäude der Stadt und er befand sich nur unweit von unserem Hotel. Also fuhren wir mit dem Fahrstuhl in die Aussichtsplattform in über 300 Meter Höhe und genossen die herrliche Sicht. Am Südufer des Yarra-Rivers waren bei Nacht noch weitere Attraktionen installiert, die auf keinen Fall zu versäumen waren. Neben den sehr schön beleuchteten Springbrunnen befanden sich dort etliche große Säulen, an denen Wasser herunter lief. An denen hatten wir uns schon am Tage die Hände zur Erfrischung benetzt. In der Nacht werden diese Wassersäulen zu jeder vollen Stunde zur Feuer speienden Sensationen. Oben auf den Säulen zündeten riesige Feuerfontänen, die mit unterschiedlichen Abständen, Dauer und Intensität einer gewissen Choreographie unterlagen. Dies erhellte nicht nur den Himmel bei Nacht, es brachte auch noch etliche zusätzliche Grade zu den ohnehin schon sehr angenehmen Temperaturen. Den Abend beschlossen wir dann in einem Straßencafé; unser Pub hatte leider am Sonntagabend schon früh geschlossen.

Phillip-Island

Phillip-Island lag etwa 2 Stunden entfernt von Melbourne und war unser nächstes Ziel. Es handelte sich um eine Insel. Sie ist aber so dicht am Festland, dass sie über eine Brücke problem- und kostenlos zu erreichen war. Zuerst sicherten wir uns unsere Unterkunft, ein Motel, entdeckt im Internet. Und auch hier stimmten die Versprechungen mit der Realität überein. Es war sogar noch etwas besser, als wir es von der Website her in Erinnerung hatten. Auf Phillip-Island gab es reichlich Attraktionen, wir starteten in einem Wildlifepark. Dort wurden wir gleich auf deutsch begrüßt und bekamen jeder eine Tüte mit Pellets. Die waren aber nicht für uns, sondern für alle Grasfressenden Tiere im Park, wie Kängurus. Und das wissen die Tierchen. Wir wurden gleich umlagert von einigen Wallabies, die uns mit ihren kleinen Vorderbeinchen die Hände hielten und zufrieden quieksend die Pellets verputzten. Apropos verputzen, wirklich putzige Tiere sind die Wombats, die ebenso zutraulich, wie die Kängurus sind und sich streicheln lassen und auch ganz wild auf den Inhalt unserer Tüten waren. Die Steigerung von putzig ist aber ein Koala. Mit periodisch wiederkehrenden "Oh wie süß" standen die Mädels vor diesen possierlichen Tieren und waren nicht wieder weg zu bekommen. Dabei sind die Koalas gar nicht süß, sondern riechen wie ein Hustenbonbon, stark nach Eukalyptus. Das hängt sicher mit ihrer Lieblingsmahlzeit - Eukalyptusblätter - zusammen. Wir gingen noch eine Weile durch den Park, der auch noch eine schöne Wasservogelanlage hatte, immer begleitet von umher springenden Kängurus. Sicher wären wir gerne noch länger geblieben, aber wir hatten uns für den Tag ein volles Programm gesetzt.
Westlich vor der Insel liegt ein Felsen im Wasser: Seals Rock. Wie der Name schon vermuten lässt, befinden sich etliche Robben auf diesem. Von Cowes - wo sich auch unsere Unterkunft befand - aus ist es möglich Bootsfahrten zu diesem Felsen zu unternehmen, was wir auch prompt taten. Es handelte sich um eine mittelgroße Jacht, die etwa 30 Leute mitnahm. Nach kurzer Fahrt waren wir am Ziel. Wir dümpelten mit dem Boot vor dem Felsen und konnten einwandfrei die vielen (ca. 1000) Robben an Land und im Wasser beobachten, ein herrliches Erlebnis. Wir mussten uns mit unserem Celluloid zurückhalten, so beeindruckt waren wir von dem Anblick. Nach etwa anderthalb Stunden fuhren wir wieder zurück und schliefen bei schönstem Sonnenschein auf dem Sonnendeck ein, Urlaubsstimmung. An Land stärkten wir uns bei Fish & Chips und gingen noch an den Strand baden.
Für den Abend hatten wir noch eine besondere Aktion in petto. Wir fuhren pünktlich zum Sonnenuntergang zur Pinguin-Parade. Das ist eine Besonderheit auf Phillip-Island. Eine Kolonie Pinguine, die den ganzen Tag im Meer fischen war, kehrt abends zurück und watschelt über den Strand zu ihren Brutplätzen, wo schon die Jungtiere magenknurrend und laut fiepend auf sich aufmerksam machen. An sich eine lustige Sache, aber voll kommerzialisiert. Schon der Eintritt ist heftig. Dann geht man durch ein großes Gebäude, das sowohl Ausstellung, Vorführungs- und Seminarräume als auch einen großen Souvenirladen beherbergte. Der Weg zum Strand dann war bestens befestigt und sicher auch behindertengerecht ausgebaut. Wir gingen hier quasi schon durch die Kolonie und konnten überall Pinguine herumstehen sehen. Soweit so gut. Am Strand war dann eine Riesenbühne aufgebaut, wo hunderte Leute Platz nehmen um auf die Dinge zu harren, die nun geschehen würden. Wir waren ziemlich genau zum Sonnenuntergang eingetroffen, also genau zu dem Zeitpunkt, wo die ersten Pinguine aus dem Meer normalerweise auftauchen. Die Tribüne war schon gut gefüllt, aber eine freundliche Mitarbeiterin führte uns zu einem freien Plätzchen am unteren Ende der Bühne und wies uns einen Platz zu. Die Bühne war so gestaltet, dass sie wie eine überdimensionale Treppe wirkte und die Zuschauer so saßen, dass auf der Stufe wo sie die Füße hatten auch der Vordermann saß, usw. Nun wurden wir nach fast einer Woche lockeres und unkompliziertes Australien wieder an unser egoistisches Heimatland erinnert. Denn beim Hinsetzen hätte die Dame hinter uns die Füße etwas zurückziehen müssen - was alle anderen dort für eine Selbstverständlichkeit ansahen -, damit ich dort vor ihr sitzen konnte. Nachdem sie keine Anstalten machte und von mir zaghaft gebeten wurde, konterte sie mit stark süddeutschen Akzent: "Wir sitzen hier schon über eine Stunde und warten!" Nun konnten wir uns leider nicht vorstellen, was das eine mit dem anderen zu tun hatte, aber schon dieser an Logikmangel leidendem Aufschrei, zeigte uns, dass mit ihr nicht zu diskutieren ist. Immerhin hatte sie diesen Platz sicherlich nach langem Abwägen und mit intensiver Vorbereitung gewählt und höchstwahrscheinlich in Nervenzehrenden Auseinandersetzungen über eine Stunde verteidigt, so dass sie jetzt ihre Beine ein wenig mehr ausstrecken konnte und ich vor ihr im Sand saß. Ein Triumph der deutschen Hartnäckigkeit! So kam es zu dem lustigen Bild, dass die gesamte erste Reihe auf den Steinen saß, bis auf einen. Im Nachhinein stellten wir fest, das es vielleicht ganz gut war, dass es einen Deutschen traf, denn wäre die Dame auf einen Nichtdeutschen getroffen, hätte sie sicher etwas zum "guten" Ruf der Deutschen im Ausland beigetragen.
Aber zurück zur Pinguin Parade. Kaum das es dunkel wurde, kamen auch schon die ersten Tiere aus dem Meer und watschelten unbeeindruckt von den Massen, die sie beobachten zu ihren Nestern. Nur Blitzlicht stört sie und war absolut verboten. Leider war auch die Ausmesslampe an unserem Fotoapparat schon störend genug, so dass wir keine Bilder machen konnten. Aber es ist kaum glauben: Im Souvenirshop gab es jede Menge Fotos zu kaufen. Die große Vermarktung wurde damit begründet, dass die eingenommenen Gelder verwendet werden, diese Kolonie am Leben zu erhalten, andernfalls wäre sie schon dem Tourismus und dem Fischfang zum Opfer gefallen. Das mag sicher richtig sein, andererseits kauft man gerne auch was, wenn es einem guten Zweck dient.
Nun ist dieser Abschnitt über die Pinguin Parade wohl etwas ironisch und sarkastisch geworden. Es sollte jeder selbst hinfahren und sich sein eigenes Bild davon machen. Sehenswert ist es allemal und Erinnerungen und Wertungen sind eben nun mal subjektiv.