Acht Wochen Zeit für Eltern und Kind

oder: Falsche Vorurteile ignoriert in Südafrika

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Prolog

"Na dann ist jetzt wohl Schluss mit den Fernreisen!" Das war unter anderen ein Kommentar von Freunden und Verwandten, als sie erfuhren, dass wir Eltern werden. Warum sollte unser Fernweh durch die Geburt unseres Sohnes beendet werden Aus einer Idee wurde ein Wagnis. Die Einführung der Elternzeitreglung in Deutschland bot uns eine einmalige Chance. Ich hatte die Möglichkeit eine zweimonatige Auszeit vom Job zu nehmen, um mich meinem Sohn zu widmen. Warum dies nicht nutzen, um zu dritt eine Auszeit vom Alltag zu nehmen?

Die Reaktionen waren weit gefächert - von Verständnislosigkeit bis Begeisterung über den gewagten Schritt. Auch bei uns schwankte es oft zwischen Reisevorfreude und "Tun wir das Richtige". Wir hätten es nie erfahren, hätten wir es nicht getan. So ging es in die Vorbereitungen. Wir suchten diesmal nach Selbstversorgungsunterkünften, idealerweise einzelne Häuser. Paul, ein guter Freund und häufiger Reisebegleiter von uns, sagte noch zu, die ersten zwei Wochen uns zu begleiten. Nach knapp einem Jahr Planung und Vorbereitung konnte es dann losgehen.

Kommetije

"So ein Langstreckenflug ist doch eine Qual für ein Kleinkind!". "Kleinkinder haben auf Langstreckenflügen keine Probleme". Diese zwei polarisierenden Aussagen identifizieren die Lager der Gegner und Befürworter der Fernreisen mit Kleinkindern. Dabei war es immer so, dass die Gegner noch nie eine Fernreise mit einem Baby gemacht hatten. Alle die Erfahrungen mit Babys auf Langstreckenflügen hatten waren im Lager der Befürworter zu finden.

Nach der Landung in Kapstadt wussten wir, dass unser kleiner Mann vor allem eines hatte: Spaß. Es war alles spannend für ihn, er war der Liebling der Stewardessen und genoss kurz vor der Landung den Ausblick aus seiner Lounge (Baby-Bettchen) in die Flugzeugkabine. Er fühlte sich wahrscheinlich wie ein Star. Alle lächelten ihn an und machten Faxen mit ihm. Und er genoss es.

In Deutschland war Winter, in Südafrika Sommer. Trotzdem regnete es bei unserer Ankunft. Immerhin war es über zwanzig Grad wärmer als daheim. Wir fuhren nach Kommetije, einem kleinen Feriendorf südlich von Kapstadt. Dort hatten wir eine Lodge für zweieinhalb Wochen gebucht, die direkt in den Dünen lag. Der Blick war traumhaft. Wir sahen das Meer, die Bucht von Hout Bay und den Chapmans Peak Drive. Der Strand war Kilometer lang und bei unserer Ankunft kam die Sonne heraus. Sie sollte die nächsten Wochen mit ein paar wenigen Ausnahmen auch nicht mehr verschwinden.